
Auf einem bundesweiten Vorbereitungstreffen Mitte Januar wurden Aktionen für den 31.3. koordiniert wurden. Mobilisierungsschwerpunkt wird Frankfurt/M. sein. Derzeit werden europaweit Kontakte geknüpft. Interessierte Gruppen wenden sich bitte direkt an die Frankfurter Genoss*innen: antifa_f (at) yahoo.de.
m31 Kampagnenhomepage (mehrsprachig)
m31 Kampagnenhomepage (dt.)
m31 Kampagnenaufruf (dt.)
Interview mit umsGanze! zu m31 auf Radio Corax.
Statements der Protestinitiativen im AK.
Artikel zu m31 in der Jungle World.
*naicé // Techno/Minimal/Deep House [Wien]
*Reducation DJ-Team // Elektro/Minimal/Techno [Berlin]
*JAY SMOO // Interstellar Rain Entertainment [Vienna]

EINLASS: 22.00 Uhr // BEGINN: 23.59 Uhr
]]>Nachdem 2011 ganz von Bewegungen aller Art beherrscht wurde, feiert die Straßen aus Zucker den Beginn ihres vierten Jahres im Sinne der Bewegung des Tanzbeins. Dazu gibt es Musik aus längst vergangenen Epochen, seltsames zum Träumen und natürlich: House und Techno.
Im Zweifel für die gute Laune und das nächste Blatt Propaganda.
Mit dabei sind: Dirk von Lowtzow (Tocotronic), Daniela La Luz (parallel, riot riot technique, moody heights), Kai & Schlomsen (kassette…bleistift…80er!), Robert Audien (Neubau Berlin), Kombiteller (dille*tanten), … resom (:// about blank) und Viperflo.
Los gehts um 23.59 Uhr im ://about blank (Markgrafendamm 24c, 10245 Berlin) am Ostkreuz.
Infos: facebook.com/strassenzucker
]]>Videopozvánka na demonstraci proti ultrapravicovému plesu ve Vídni+české titulky from Iniciativa Ne Rasismu! on Vimeo.
Proteste Gegen den Ball der Burschenschaftler des Wiener Kooperationsrings (WKR)
Freitag 27. Januar 2012 linksradikale Demonstration
Samstag 28. Januar 2012 Burschisafari, Vorträge und eine Antinationale Afterparty (de rue des sucres-Party) – Mehr auf:
www.nowkr.at & www.umsganze.de & www.antifaw.blogsport.de & www.antifanet.at
„Wir versprechen eine Endlösung der Zigeunerfrage“, lässt die ultrarechte tschechische „Nationale Partei“ in einem Werbespot verlauten. In Frankreich werden mehrere tausend Roma in den Kosovo abgeschoben. In Ungarn patrouillieren ultranationalistische Garden durch Roma-Siedlungen, um „die Bevölkerung vor den Zigeunern zu schützen“. In Italien warnt Berlusconi: „Milan darf nicht zu einer Zigeunerstadt werden.“ In Berlin sprechen Zeitungen von „Bettel-Roma“ und in Leverkusen werden Brandsätze auf ein Roma-Haus geworfen. Der Antiziganismus, also die konkrete Feindschaft gegen als „Zigeuner“ stigmatisierte, ist seit etwa zwanzig Jahren wieder am Erstarken und hat eine lange Vorgeschichte.
Existierten die „Zigeuner“ nicht…
Schon im Mittelalter wurden Roma und Sinti aus deutschen Städten und Gemeinden vertrieben und verjagt, während parallel die ersten Zuschreibungen und Stereotype entstanden: Zum Beispiel, dass sie andauernd umherziehen, betteln, stehlen, Kinder entführen und nicht arbeiten würden. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Sinti und Roma dann für angebliche „Kriminalprävention“ systematisch erfasst und es gab diverse „Umerziehungsversuche“. Oft wurden ihre Kinder in Heime gebracht.
Im Nazideutschland wurden ab 1935 die Nürnberger Rassengesetze, welche sich anfangs nur auf Juden und Jüdinnen bezogen, auch auf „Zigeuner“ angewandt. 1938 ordnete Himmler die „endgültige Lösung der Zigeunerfrage aus dem Wesen dieser Rasse heraus“ an. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden insgesamt 500.000 Sinti und Roma in den Vernichtungslagern systematisch ermordet.
Doch auch nach 1945 setzte sich die Diskriminierung und Ausgrenzung fort. So entschied 1956 der Bundesgerichtshof bezüglich der Wiedergutmachungsansprüche von Roma und Sinti, dass diese bis 1943 nicht aufgrund von „rassenideologischen Gesichtspunkten“, sondern aufgrund der „asozialen Eigenschaften der Zigeuner“ verfolgt worden seien und ihnen insofern für die Verfolgung vor 1943 keinerlei Entschädigungszahlungen zuständen. Dieses Urteil wurde erst 1963 teilweise revidiert. Doch auch die lang erkämpften „Entschädigungen“ beliefen sich auf Zahlungen von höchstens 5000 DM pro Person. Erst 1982 wurde die gezielte Ermordung und Vernichtung, für welche heute der Begriff „Porrajomos“ („das Verschlingen“) verwendet wird, durch den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt als Völkermord anerkannt. Weitere Zahlungen gab es dennoch nicht. Und Sinti und Roma werden noch immer von staatlichen Behörden gesondert erfasst.
..der_die Antiziganist_in würde sie erfinden
Bis heute finden sich ausgeprägte antiziganistische Stereotype und Klischees in der Gesellschaft. Bei einer Umfrage des American Jewish Committee in Deutschland antworteten im Jahr 2002 mehr als die Hälfte der Befragten verneinend auf die Frage, ob sie sich Sinti und Roma als Nachbarn vorstellen könnten. Die Stereotypisierung sowie die daraus resultierende Verfolgung von Roma und Sint sind in der Gesellschaft, in der wir leben, kein Zufall: In einer Gesellschaft, in der Menschen nach ihrer Produktivität beurteilt werden, ist der Wunsch nach Faulheit illegitim und wird abgespalten und auf andere projiziert. Für das vermeintliche Ausleben der unterdrückten Begierde werden andere gehasst. Die „Zigeuner“ stehen im Weltbild des_der Antiziganist_in oft sowohl für Freiheit und Ungebundenheit als auch für Schmarotzertum und Arbeitsverweigerung. Der Hass auf vermeintlich Faule bringt auch die immerwährende eigene Angst vor dem Abgleiten in die „Asozialität“ als unproduktives Element in der nationalen Leistungsgesellschaft zum Vorschein.
Doch auch wenn der Antiziganismus erst im kapitalistischen Kontext richtig verstanden werden kann, darf das nicht verdecken, dass eine wesentliche Verbesserung der Lebenssituation von Roma und Sinti jetzt schon möglich ist! Genau so verhält es sich mit der Verhinderung von Übergriffen und Abschiebungen.
Zum weiterlesen:
http://antizig.blogsport.de
„Antiziganistische Zustände – Zur Kritik eines allgegenwärtigen Ressentiments“, erschienen 2009 im Unrast-Verlag.
]]>„Zigeuner“ ist eine in ihren Ursprüngen bis ins Mittelalter zurückreichende Fremdbezeichnung durch die Mehrheitsbevölkerung und wird von den meisten Vertreter_innen als diskriminierend abgelehnt. Mit dem Wort „Zigeuner“ wurden in Deutschland jahrhundertelang negative Zuschreibungen verbunden. Anfang der 1980er Jahre hat sich in der deutschen Öffentlichkeit „Sinti und Roma“ als vermeintlich politische korrekte Bezeichnung eingebürgert. Dies ist allerdings nicht ausreichend, weil sich dadurch zahlreiche andere Gruppen unberücksichtigt fühlen, wie z.B. die Kale.
Wie lange geht das jetzt schon? Anfang 2009 behauptete der deutsche Außenminister, ihn erinnere der Lebensstil von Arbeitslosen an spätrömische Dekadenz. Im Fernsehen schwatzte ein renommierter Philosoph davon, dass mittlerweile Arme die Reichen ausbeuten. Wem in der Schule gesagt wurde, dass aus ihm_ihr sowieso nichts wird, bekommt jetzt die geringe Qualifikation vorgeworfen. Skandalnudel Sarrazin inszeniert sich als Opfer, indem er sich samt Medientross aus einem Kreuzberger Dönerladen schmeißen lässt.
Auch in deinem Umfeld hast du sicher schon gehört, wie sich jemand abwertend oder mitleidig über Menschen in einer beschissenen Lage äußert. Gleichzeitig wird denen die Schuld an ihren Problemen gegeben und sie sollen sie gefälligst auch selbst lösen.
Ok, das ist nicht gerade neu. Fiese Mitschüler_innen kannten deine Eltern bestimmt auch. Und dass gestresste Workaholics Arbeitslosigkeit für ein Paradies halten, hat seinen Ursprung eher in deren Phantasie als in der Realität. Aber festzuhalten ist, dass es in der Gesellschaft einen deutlichen Trend zum Abwerten von Personen und Gruppen gibt: wegen ihrer Bildung, wegen ihres sozialen Status, einfach wegen ihrer gesellschaftlichen Stellung. Denen wird vorgeworfen, dass sie den Staat ausnutzen würden. Und weil die meisten Menschen den Staat für den Verwalter des Wohls all seiner Bürger_innen halten, fühlen sie sich persönlich angepisst. Kritiker_innen der Veranstaltung reden in letzter Zeit von Sozialchauvinismus.
Sozio-Schumi was?
Die beiden Worte „sozial“ und „Chauvinismus“ kreisen ganz gut das Phänomen ein, das beschrieben werden soll. Chauvinismus ist der Glaube an die Überlegenheit der eigenen Gruppe, meist der Nation. Aber auch ein Mann, der sich Frauen überlegen fühlt, kann als „Chauvi“ bezeichnet werden. Und das Adjektiv „sozial“ bedeutet so viel wie: auf das Zusammenleben bezogen. Beim Sozialchauvinismus wird die behauptete Überlegenheit der Gruppe nicht ausschließlich gegen Menschen außerhalb dieser Gruppe gerichtet – nicht nur gegen die andere Nation oder gegen das andere Geschlecht. Sondern die Feindseligkeit trifft ebenso Mitglieder der eigenen Gemeinschaft, die sich – in den Augen der Sozialchauvinist_innen – nicht aktiv für die Gruppe und die Gruppeninteressen einzusetzen.
Im Interesse der Gemeinschaft sollen Hilfebedürftige auf die persönlichen Interessen und Vorlieben verzichten. So wie zum Beispiel bereits jetzt die Hartz IV-Empfänger_innen, deren Freiheit, sich den Job oder den Wohnort selbst auszusuchen, eingeschränkt ist. Protest gegen diese behördliche Praxis ist verstummt. Mittlerweile spekulieren Politiker fast aller Parteien, welche Gegenleistung die Arbeitslosen als Dienst an der Gemeinschaft noch erbringen könnten: Schnee schippen, Parkpflege, Senioren- und Krankenbetreuung. Auf solche verbalen Ausfälle folgen nicht immer gleich Taten. Aber es entsteht ein Klima, in dem so manch Ekelhaftes möglich wird. Wegen ihrer Identifikation mit Standort und Nation verzichten selbst die meisten Betroffenen auf Widerstand gegen ihre Benachteiligung, da diese doch dem „nationalen Interesse“ diene.
Altbewährtes Hausmittel gegen Abstiegsängste.
Wo das alles enden wird, ist noch offen. Zunächst einen großen Schritt zurück, in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg: 1914 stimmte die SPD-Fraktion mit großer Mehrheit den Kriegskrediten zu. Vor allem die Angst, wieder einmal als „vaterlandslose Gesellen“ beschimpft zu werden, hatte die sozialdemokratischen Abgeordneten (damals nur Männer) dazu bewogen. Sie glaubten an die nationalistische Propaganda, die behauptetete, Deutschland werde von Russland bedroht. Manche sahen es sogar als ihre „sozialpatriotische“ Pflicht, mit den Krediten das deutsche Aufrüsten zu ermöglichen. Lenin, der spätere Häuptling der russischen Revolution, benannte diesen „Sozialpatriotismus“ verachtend „Sozialchauvinismus“ und schuf damit einen neuen Begriff.
Heute wird dieser allgemeiner verwendet. Es geht nicht unbedingt, um die Zustimmung zur „Ausplünderung fremder Völker“, wie Lenin sich ausdrückte. Die derzeitige sozialchauvinistische Stimmungsmache – neben der antisemitischen und der rassistischen – begründet sich selbst häufig mit den Erfahrungen der Wirtschaftskrise. Nachdem 2008 der US-Immobilienmarkt zusammenbrach, kommt es nun weltweit zu „Nachbeben“, bei denen auch ganze Staaten in den Ruin getrieben werden. Vor diesem Hintergrund erscheint es vielen gerechtfertigt, wenn die Ansprüche des Staates an die Einzelnen zum vermeintlichen Wohle aller hoch gesteckt werden. Gerade deutsche Spießer_innen fühlen sich im Krisenverlauf bestätigt.
Deutschland steht dank vorherigem Sozialabbau und niedriger Löhne noch immer gut da. Als eine vermeintliche Ursache für Griechenlands Pleite gelten wiederum die dortigen hohen Löhne und Staatsausgaben. Der Sozialchauvinismus rät deshalb dazu, kein Mitleid zu haben.
Auch innerhalb der bundesrepublikanischen Gesellschaft wird der Ausschluss am deutlichsten gegenüber Nicht-Deutschen gefordert. Wer hier als Migrant_in nichts leistet, solle gefälligst abgeschoben werden. Rassistische Behauptungen werden gern bekräftigend herangezogen. Deutschen hingegen wird vor allem mit dem Ausschluss von der staatlichen Versorgung gedroht. Für diese sollen Gegenleistungen erbracht und Disziplinierungsmaßnahmen hingenommen werden.
Lass die Leute reden? Besser nicht!
Wir wollen nicht abstrakt von Sozialchauvinismus reden, um irgendwelche reaktionären Strömungen in einer „wissenschaftlichen Kategorie“ zusammenzufassen. Mit dem Begriff soll die umfassende Verschärfung unsolidarischer Politik, Ideologien und Alltagspraxen auf den Punkt gebracht und bekämpft werden. Die aktuelle Gefahr besteht darin, dass der Stimmungsmache bald Taten folgen, die den ohnehin beschissenen Alltag unerträglich machen.
Die Ursache der großen und kleinen Wirtschaftskrisen, die der Sozialchauvinismus den ohnehin sozial Benachteiligten in die Schuhe schieben will, ist vielmehr in der kapitalistischen Wirtschaft und im bürgerlichen Staat selbst zu finden. Sozialchauvinismus ist eine Form von verkürzter Kapitalismuskritik: Die Spielregeln werden nicht in Frage gestellt, sondern behauptet, dass sich nur zu viele Leute nicht daran halten. Wer die Regeln aber ändern will, wird sich zwangsläufig mit den Sozialchauvinist_innen auseinandersetzen müssen.
Ungebrochen ist der Diskurs um „Integration“ und endlich ist er da: der große SaZ-Selbsttest! Mach den Test und finde heraus, wie integriert Du wirklich bist und ob Du den Eintritt oder doch nur einen Arschtritt von dieser Gesellschaft erwarten kannst. Wenn Du dem Ergebnis nicht glaubst: selber Schuld!
1. Ich habe die deutsche Staatsbürgerschaft…
a) nach einem Einbürgerungstest mit Loyalitätserklärung an die Freiheitlich Demokratische Grundordnung (FDGO) bekommen. (*)
b) “aber hier leben – nein danke!“ (****)
c) seit meiner Geburt in Deutschland. (**)
d) würde aber auch eine andere annehmen / hätte die andere gern behalten. (***)
2. Meine Familie kommt aus…
a) gutem Hause.(**)
b) den verlorenen Ostgebieten. (*)
c) nicht aus – vom anderen Stern, wahrscheinlich. Ich versteh‘ sie jedenfalls nicht. (****)
d) verschiedenen Teilen der Welt. (***)
3. Beherrschst Du die deutsche Sprache?
a) Qui, c‘est vrai! Claro que sí! Of course I can! (****)
b) Rusch ma doch dän buggel runnda! / Ick wer dir wat husten. / Da werd ih kreiznarred! (**)
c) Ey Du Opfer! Machst Du mich an oder was? (***)
d) Natürlich! In Deutschland spricht man deutsch! (*)
4. Wie findest Du Dich im Alltag in Deutschland zurecht?
a) It‘s confusing, aber ich überlebe dank meinem Smartphone. (***)
b) Arbeiten, studieren, einkaufen und Behördengänge sind kein (**)Problem.
c) Mutti macht das schon! (**)
d) Das geht Euch überhaupt nichts an! (****)
5. Ich habe einen großen Bekanntenkreis und viele Freunde, …
a) aber meine Familie ist mir dennoch wichtiger. (*)
b) sogar Migrant_innen sind darunter. (**)
c) aus dem In- und unterschiedlichem Ausland. (***)
d) zumindest bei Facebook, aber wo die alle herkommen weiß ich auch nicht. (****)
6. Um mich anzupassen, …
a) lache ich auch über rassistische Witze. (**)
b) bin ich bei der WM immer für das deutsche Team. (*)
c) hab ich mir eine Röhrenjeans und ’ne Nerdbrille gekauft. (****)
d) hab ich zu viel eigenen Style. (***)
7. „Ich würde für die deutsche Nationalelf spielen, wenn…“
a) die Spieler_innen besser bezahlt würden. (***)
b) nicht nur die Trikots weiß wären. (*)
c) wenn ich ihr damit zum Vorrundenaus verhelfen könnte. (****)
d) ich zugelassen wäre. (**)
8. Integration in der Schule bedeutet …
a) eine besondere Form der Schulpädagogik: Menschen mit und ohne Behinderung lernen zusammen. (**)
b) ätzende Mathestunden und mit den anderen zu chatten. (***)
c) besonderen Leistungsdruck. Durch gute Schulnoten und ausgewiesene Sozialkompetenzen kann ich meine Familie vielleicht vor der Abschiebung retten. (****)
d) sich nicht verprügeln oder mobben zu lassen und das Pausenbrot behalten. (****)
9. Arbeiten …
a) und Geldverdienen sind der Grund, warum ich in Deutschland wohne. (**)
b) ist mir echt zuwider. Kann ja machen, wem‘s gefällt. (****)
c) müsste ich schon, aber ich finde keinen (legalen) Job. (***)
d) gehört neben Fleiß zu den besten Fähigkeiten der Deutschen. (*)
10. Das Arbeitsamt ist …
a) ein gutes Ziel für Anschläge. (****)
b) mein einzig sicherer Arbeitsplatz. (***)
c) eine wichtige Institution des Sozialstaates. (**)
d) die größte Last im Bundeshaushalt, aber überflüssig sobald wir wieder Vollbeschäftigung haben. (*)
11. Heimat ist für mich …
a) wo Deine Wiege stand / Du findest in der Ferne / kein zweites Heimatland. (*)
b) eine Stickerei auf Omas Topflappen. (****)
c) ein Modelabel aus dem Berliner Szenebezirk Prenzlauer Berg. (***)
d) grundlegender Bestandteil meiner Identität. (**)
A – wie Anti-Typ_in: Ausgegrenzt und Spaß dabei
Am häufigsten 4 Sterne (****)
Deutschenfeindlich? Integrationsunwillig? Geringe Leistungsbereitschaft? Unter mindestens einer dieser Zuschreibungen kannst Du dich sicher wiederfinden. In deinen Ohren klingt das nach Kompliment. Du kannst gar nicht verstehen, warum sich andere vom ein Hartz-IV-Amt so stressen lassen und alles gleich persönlich nehmen. Über soviel Mangel an kritischem Bewusstsein kannst Du nur den Kopf schütteln. Ob jemand einen Migrationshintergrund (in Anführungszeichen) hat, spielt für Dich keine Rolle – an der Definition ist doch von ‚Nation‘ bis ‚Familie‘ alles zusammenkonstruierter Quatsch, um den Kapitalismus irgendwie am Laufen zu halten. In Deutschland, da ist kein schönes Leben zu haben, sondern es bleibt staatnationkapitalscheiße. Wie kann man sich da integrieren wollen? Jobcenter austricksen, Arbeiten für wenig Geld aber die gute Sache im linken Kollektiv, Reisen auf Kosten der Uni, Parties, Theorie- und Drogenkonsum sind Versuche, ein kleines bisschen Richtiges im Falschen einzurichten. Das beschäftigt, bis sich das Thema irgendwann erledigt haben wird. Kein Gott, kein Staat, lieber was kaputt raven – bis Dein Wecker stört um zum Marsch durch die Institutionen zu mahnen oder einen neuen Tag voll Lohnarbeit einläutet. Angesichts dieser Verhältnisse kannst Du nur sagen: „Integration? – Nein Danke!“
B – wie Bienchen: fleißig im Stich gelassen
am häufigsten 3 Sterne (***)
Deine Armut kotzt dich an? Jung, dynamisch und individuell wie Du bist, ist dir jedes unbezahlte Praktikum lieber als dich mit den „Hartzis“ im Unterschichten-TV zu identifizieren? Mit deinem Arbeitsfetisch hat sich der Neid auf Faulenzende in den verachtenden Fingerzeig auf sie umgekehrt. Auch beim Ärgern über „die da oben“, wünscht Du dir doch nur besser regiert zu werden. Vom kleinen Stück Kuchen, das Du abbekommen hast, verteidigst Du noch den letzten Krümel am Gartenzaun deines Biergarten Edens mit rassistischen Sprüchen in der Art traditionsbewusster Stammtische. Gute Manieren forderst Du dagegen von Menschen, „die hier herkommen“. Du bist in Germany aufgewachsen – nur schade, dass du keine Medaille dafür bekommst, wie Vorzeige-„Migrant_innen“. Neidisch bist Du auf Rapper wie MC Harris und Samy Deluxe, die sich beim Battle um das fleißigste Bienchen im Deutsch-Heft für ihre Sprüche nicht schämen müssen, sondern sogar als Vorbilder der Integrationsdebatte funktionieren. Mit schwarzrotgoldenen Accessoires weist auch Du deine erworbene oder angeborene „Deutschness“ nach. Deine Sehnsucht nach Gemeinschaft entlädt sich auf der Fanmeile: Nach 10 Bier trägst du deine Leidenschaft im Bauch in Stückchen auf die Straße. Reingewaschen von der Schuld wehst du lieber mit der Fahne umher, anstatt sie durch den Dreck zu ziehen, dessen Symbol sie ist. Wenn Du – warum auch immer – als „Migrant_in“ giltst, wird deine Integration genauso „schwer vermittelbar“ sein, wie das Angebot deiner Arbeitskraft. Die soziale Ausgrenzung und der Rassismus hierzulande wird wohl weiter dafür sorgen, dass Du dich auf der Seite der Ausgrenzten wieder findest.
C – Linda, die Protestkartoffel
am häufigsten 2 Sterne (**)
Feste Arbeit, deutscher Pass, gute Sprachkenntnisse und soziales Engagement jenseits ‚extremistischer‘ Chaoten – Du bist vorbildliche Bürgerin der Mitte, integriert to hell. Du schätzt und lebst das neue Deutschland. Das geläuterte, das mit der Geschichte klarkommt, das von Touristen gemocht wird und modern, tolerant, erfolgreich, kritisch ist. So repräsentierst Du dein Land gerne und bist doch ein bisschen stolz, hier zu leben. Du bist so sicher in der Gesellschaft verankert, dass Du dir auch mal Empörung, nein, richtige Wut (!) erlauben kannst. Da gibt es einiges, was dich so aufregt: Der harsche Polizeieinsatz von Stuttgart21, der wohl eindeutig die Falschen getroffen hat. Der Bau einer Autobahn durch dein Wohngebiet oder Steuergeldverschwendung: Protest! Vielleicht sogar ein Volksentscheid pro Eliteschulen wie der in Hamburg? Ein Hoch auf die Freiheitlich Demokratischen Grundordnung! Und Medaillen für ‚Vorzeige-Migrantinnen‘! Damit verteidigst Du die Idee eines Multikulturalismus gegen rassistische Widersacher wie Sarrazin. Der vergrault sonst noch glatt deinen Lieblingsitaliener-um-die-Ecke. Da zeigt sich doch für dich, dass die deutsche Gesellschaft durch Migrant_innen aufgewertet wird, weil sie mit ihren ganz eigenen, kulturellen Fähigkeiten frischen Wind und wirtschaftlichen Aufschwung bringen. Das kannst Du nur gutheißen. Solange sie nicht deinen Kindern das Pausenbrot klauen. Da hört die viel gelobte Toleranz dann auch auf. Aber, Du hast aus der Geschichte gelernt: Nationalismus ist ein böses Wort. Deshalb bist du lieber unverkrampft deutsch, mit Augenzwinkern und neuem Schick. Germany, 12 Points!
D – wie Deutschland
am häufigsten 1 Stern (*)
Integration ist für dich eine Angelegenheit von Minderheiten, die Du gerne auf ihre Herkunft reduzierst. Statt dich darüber zu freuen, bereitet dir der Gedanke an den Untergang der deutschen Nation Alpträume. Bei der Fußball-WM der Frauen lässt dein Sexismus keine Tränen zu, die deine schwarz-rot-goldene Schminke verschmieren könnten. Für dich ist es nur eine Frage der Zeit, bis das erste Kopftuchmädchen für Deutschland kickt. Du siehst die Bedrohung der „Überfremdung“ schon an jeder Ecke Döner verkaufen. Nicht die Kinderwünsche von Hartz-IV-Empfänger_innen und „Migrant_innen“ sind der Ausdruck gesellschaftlicher Verdummung, sondern dein Spiegelbild. In deiner Verblendung bist Du für mehr Studiengebühren und Elitenförderung, um die Auslese der Nützlichsten voranzutreiben. Denn als „Leistungsträger_in“ findest Du es nur richtig, sich fit für die eigene Verwertung zu machen. Deine besten soft skills sind copy&paste, deine soziale Kompetenz begrenzt sich auf Blut&Boden. Dabei glaubt nicht einmal der Weihnachtsmann noch an eine weiße Weihnacht in Zeiten des Klimawandels. Was dir bleibt ist die Kraft durch Freude am eigenen Volkswagen – natürlich „Made in Germany“. Glückwunsch, bei dir stimmt einfach das Gesamtpaket! Adolf hätte dich lieb gehabt.
]]>Immer wieder werden wir in den Medien, Politik, Familie und Freundeskreis mit Aussagen über eine angebliche Naturhaftigkeit des Menschen konfrontiert: ob nun, dass der Mensch von Natur aus egoistisch, faul und böse sei oder dass er sich ‚natürlicherweise‘ verliebt, Pärchen bildet, sich zum Nisten ein Reihenhaus baut. Vor allem in Hinblick auf Männer- und Frauenrollen sind die Kirche und die Biologie zwei ganz große und wichtige Institutionen zur Beibehaltung und Verbreitung solcher Schauermärchen. Heinz Jürgen Voß hat sich mit der Geschlechterforschung in der Biologie auseinandergesetzt. Ihr_sein Buch „Geschlecht – Wider die Natürlichkeit“ aus der Reihe theorie.org, liefert einige Argumente und Fakten zum Zurückfeuern.
Die Biologie gehört zu den Naturwissenschaften und genießt eher den Ruf glaubwürdig zu sein, als andere Wissenschaften, deren Theorien meist als verhandelbar oder Ansichtssache gelten. Dabei werden ja auch in der naturwissenschaftlichen Forschung Fragestellung und Auslegung von Ergebnissen davon beeinflusst, was für die Forschenden denkbar ist. Statistiken und deren Auswertung z. B. dienen oft dazu, Behauptungen mit einer unterstellten Sachlichkeit zu untermauern. Kritische Betrachtung solcher Wissenschaften ist also angebracht. Während es bei den eindeutig rassistischen Behauptungen – wie denen von Sarrazin – kaum Sinn macht sich auf biologischer Ebene auf eine Diskussion einzulassen, kann das in anderen Fällen sinnvoll sein. Im Biologieunterricht wird uns eines ganz genau hinter die Ohren geschrieben: dass es eben – biologisch bewiesen – zwei gegensätzliche Geschlechter gäbe. Du zählst dann entweder zu den Adams oder Evas, je nach Hormonhaushalt.
Und dazu sollen jeweils ein typischer Körperbau, Fähigkeiten und Verhaltensweisen gehören. Hierzu bietet das Buch eine interessante Möglichkeit, sich mit der Wissenschaft und wie sie wahrgenommen wird, auseinander zu setzen. Voß geht auch als Biolog_in davon aus, dass der Mensch ein gesellschaftliches Wesen ist, und somit das, was als ‚natürlich‘ gilt, genauso menschengemacht ist, wie die Gesellschaft in der der Mensch lebt. In seinem Buch zeigt er, wie sich Ansichten in der Gesellschaft über Geschlechter und ihre Rollenbilder gewandelt haben – denn nicht immer wurde von einer Geschlechterdifferenz ausgegangen. Anschaulich und kurzweilig skizziert Voß die Achterbahnfahrt der Geschichte nach: von griechisch-antiken Theorien zu Ein- oder Mehrgeschlechtlichkeit über moderne Geschlechterforschung bis zu den neuesten Ergebnisse und Diskursen in der Medizin und Biologie. Dabei erwarten Dich keine langweilig-detaillierten Ausführungen über komplizierte biologische Prozesse, sondern ein nachvollziehbarer Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft, der auf viele Geschlechter und Individualitäten der Körper verweist. Forschende in Medizin und Biologie sind bis heute auf der Suche nach einem „geschlechtsdeterminierenden Faktor“, der auf chromosomaler Ebene die Geschlechtsentwicklung auslösen soll. Immer wieder werden dafür verschiedene Gene vorgeschlagen, jedoch widerlegen genauere Untersuchungen stets diese Behauptungen bzw. stützen nicht ihre Allgemeingültigkeit. Genau solche Uneindeutigkeiten deckt Voß auf und stellt dar, dass es keine Standard-DNA-Verknüpfung und keine genauen Orte der Ausprägung von Geschlecht gibt sowie auch keine klar zu unterscheidenden Wirkungen von biologischen Vorgängen auf ein männliches bzw. weibliches Verhalten. Bei allen mikroskopischen Streitigkeiten um Hormonhaushalt und Chromosomen mahnt das Buch jedoch auch, an das Wesentliche zu denken: „Es geht nicht darum, ob aktuell Differenzen zwischen ‚Frau‘ und ‚Mann‘ feststellbar sind, sondern es geht gegen die Annahme, dass diese Differenzen „natürlich“ seien.“
Erschienen 2011 im Schmetterling Verlag, 180 Seiten, 10 Euro.
http://www.heinzjuergenvoss.de
Immer mehr junge Menschen (auch einige von uns SaZ-Redakteur_innen) haben sich seitdem für einen Freiwilligendienst im Ausland entschieden. Aber bei allen schönen Dingen, die so eine Reise mit sich bringt, sehen wir auch das ein oder andere Problem. Der gleiche Staat, der durch Agrarsubventionen für Exportschwierigkeiten in Ländern des Südens sorgt und den Menschen, die dann von dort nach Europa flüchten, die Grenzschutztruppe Frontex auf den Hals schickt – dieser Staat spendiert jetzt selbstlos jährlich über 70 Millionen Euro um Menschen in Entwicklungsländern aus der Patsche zu helfen? Und das auch noch durch Schüler_innen? Das erscheint nicht nur uns merkwürdig. „Egotrip ins Elend“ schallt es gar aus der Presse. Nicht ganz zu Unrecht. Denn im Gegensatz zu ausgebildeten Entwicklungshelfer_innen fehlt uns Freiwilligen zumeist das nötige Know-how und die Erfahrung, um der dortigen Bevölkerung wirklich helfen zu können. Von dem Geld, das der Staat uns Jugendlichen für Flug, Seminare und Unterkunft gibt, könnten oft vor Ort mehrere dringend notwendige neue Jobs in der Sozialarbeit finanziert werden.
Who am I? I am Europe
Diejenigen, die am meisten von dem Auslandsprogramm profitieren, sind wir Freiwilligen selbst. Transportierten die Kolonisatoren früher mittels direkter Gewalt noch einen Haufen Gold, Silber und Gewürze aus der heutigen Dritten Welt nach Europa, so funktioniert Ausbeutung mittlerweile vor allem über einen Vorsprung von Technik und Wissen. Europäische Firmen müssen wissen, wie die Einwohner_innen Brasiliens ticken, wenn sie in São Paulo eine Zweigstelle errichten wollen. Fragen zu Fremdsprachenkenntnissen und Auslandsaufenthalten gehören mittlerweile zum Standardrepertoire eines Vorstellungsgespräches. Denn „will Deutschland Exportweltmeister bleiben, brauchen gerade kleine und mittlere Unternehmen mehr Auszubildende mit Auslandserfahrung”, weiß auch der Chef der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Hauptintention von Weltwärts ist weder Entwicklungshilfe noch der Wunsch nach einer Welt ohne Rassismus, sondern dem deutschen und europäischen Arbeitsmarkt mehr Leute mit internationaler Erfahrung zur Verfügung zu stellen, um die überlegene Position gegenüber sogenannten Entwicklungsländern zu festigen. Erfahrung, interkulturelle und soziale Kompetenzen sind in einer globalen Ökonomie halt wertvolle Güter.
Ob aber vielleicht Jugendliche aus Bolivien, Nicaragua oder Indien auch mal ein Jahr durch die Arbeit in einem deutschen Kindergarten Erfahrung sammeln dürften? Fehlanzeige. Ohne deutschen Pass bedeutet eine Reise über den Atlantik ein teures und entwürdigendes Abenteuer. Für die wenigen, die die hohen Kosten für Flug und Visum aufbringen können, warten ewige Visaprozedere, Fragen nach Einladungsschreiben und Kontostand inklusive. Wir können nur so unkompliziert reisen, weil das Land, das uns unseren Pass gibt, zufällig eine mächtige Position auf dem Weltmarkt innehat. Im Gegensatz zu jenen Menschen in Ländern, die wir mit unserem Freiwilligendienst bereisen und dieses „Glück“ nicht haben. Interkultureller Austausch, wie das erklärte Ziel von Weltwärts ist, wird eben nur in eine Richtung finanziert.
Es ist eine Illusion mit einem Freiwilligendienst der unangenehmen kapitalistischen Ordnung eine Absage zu erteilen und sich dadurch auf die Seite der Drittweltbevölkerung schlagen zu können. Als Freiwillige betreten wir Entwicklungsländer nicht als Gleiche unter Gleichen, sondern als Vertreter_innen einer privilegierten Schicht, die den Degradierten einen Besuch abstatten, in einer Art und Weise, wie es diesen nie vergönnt ist.
Who are you? Projektion und positiver Rassismus
Sich für ein Jahr unter die Armen dieser Welt zu mischen, empfindet man leicht als befreiend. Als freiwillige_r Helfer_in in einem tansanischen Waisenhaus kann man endlich mal das miefende Gewand des privilegierten Westlers abstreifen und sich in eine vermeintlich unberührte Gemeinschaft begeben.
Die Abwesenheit von moderner Technik wird schnell als sympathisch empfunden, der Einfluss des Westens und der Moderne hingegen wirken als Bedrohung der naturnahen authentischen Kultur der Einheimischen. In der Sehnsucht nach Ursprünglichkeit und Natürlichkeit werden Tradition und Folklore zu Symbolen einer Welt, wo noch alles in Ordnung ist. Dass wir Freiwilligen aus Deutschland „unsere“ Traditionen wie Volkslieder und Trachtenkleidung oft als lästig empfinden und nichts mit ihnen zu tun haben wollen, wird dabei schnell vergessen. Die Faszination von kultureller Folklore geht so weit, bis die Bereisten kaum mehr als Personen, sondern als Repräsentant_innen ihrer kulturellen Gemeinschaft betrachtet wird. Interessant ist der_die Peruaner_in besonders dann, wenn er_sie traditionelle Kleidung trägt und irgendwelche „uralten traditionellen Riten“ praktiziert.
Rassismus ist, wenn Menschen aufgrund ihrer „ethnischen“ oder „kulturellen“ Herkunft beurteilt werden. Dabei werden „die Anderen“ oft konkretisiert, das heißt sie werden mit konkreten, vermeintlich unverfälschten und einfachen Eigenschaften in Verbindung gebracht und als naturnah, gefühlsbetont, authentisch beschrieben. Dabei entsteht eine durchaus hierarchische Gegenüberstellung von „modern“ und „natürlich“, „Vernunft“ und „Gefühl“, „aufgeklärt“ und „religiös“. Das muss nicht unbedingt negativ gemeint sein. Im Gegenteil: Mit der Projektion des „Natürlichen“ auf die Einheimischen wird gerade ein Gegenstück zu der von vielen als bedrohlich empfundenen Moderne gesucht. „Hach, seht, wie toll der Peruaner mit seinen bunten Klamotten singt!“, oder auch: „Ist es nicht toll, wie schön die Menschen hier noch ohne Strom auskommen!“ Aber gerade wenn wir die „Einheimischen“ für ihre vermeintliche Natürlichkeit mögen, ist dies eine Art von Rassismus. Jemand, der in Peru geboren ist, ist nicht a priori ein naturverbundener Mensch. Er_sie ist, genau wie wir, zuerst einmal ein Individuum, das selbst entscheidet, wie es sich sein Leben gestalten will. Und wenn Leute nun lieber iPhones statt einer Panflöte besitzen möchten oder lieber Flugzeug fliegen, anstatt mit dem schnucklig-klapprigen Reisebus durch die Pampa zu tuckern, dann ist das ihr gutes Recht, welches wir, als längst mit diesen Privilegien ausgestattete, ihnen nicht abzusprechen haben.
Ich & Du (When I go, I go prepared!)
Ein Jahr in einem Entwicklungsland zu verbringen, kann eine tolle Erfahrung sein, ist aber nicht immer leicht. Nicht nur die vielen organisatorischen Probleme, die lange Abwesenheit von zu Hause und die schwierige Eingewöhnung. Auch kommen wir nicht daran vorbei, unsere eigene Position in der Welt zu reflektieren. Und ja, auch wir selbst kommen dabei nicht wirklich gut weg. Wir finden uns selbst oft total individuell, unabhängig und politisch korrekt. Das Problem ist aber, das niemand komplett unabhängig ist. Unsere Sichtweisen, unser Handeln und auch Auswirkung unseres Handelns sind beeinflusst, von der Gesellschaft, in der wir leben. Wir können uns der postkolonialistischen Struktur dieser Welt oft nicht entziehen, auch wenn wir das gerne hätten.
Genauso müssen wir auch unsere Sichtweise auf die Bereisten reflektieren. Niemand ist ein_e neutrale_r Beobachter_in und auch wir kommen mit ganz bestimmten vorgefertigten Bildern in fremde Länder. Und von sozialromantischen Vorstellungen, dass das Leben woanders deshalb besser ist, weil der moderne Kapitalismus dort (noch) nicht so stark ausgeprägt ist, sollten wir uns auch lieber heute statt morgen verabschieden.
Nicht zuletzt sollten wir noch klären, was unsere Intentionen für so ein Auslandsjahr sind. Klar ist es wunderbar und wichtig Menschen helfen zu wollen, deren Lebensbedingungen noch viel, viel schlechter sind als unsere hier in Deutschland. Aber wir sind keine ausgebildeten Entwicklungshelfer_innen und die Gesamtscheiße kann leider auch nicht durch Sozialarbeit weggeputzt werden. Wer Lust hat, ein Jahr ins Ausland zu gehen, soll das gerne tun. Wer aber die Welt verbessern will, wird das nicht durch einen Freiwilligendienst tun können.