Archiv der Kategorie 'Zeitung'

Wo bitte geht’s hier zur Revolution?

Auf dem Weg zur befreiten Gesellschaft

Dass wir die bestehende Gesellschaft abschaffenswert finden, das sollte in unseren Texten deutlich geworden sein. Und dass wir denken, dass es nicht damit getan ist, dass alle ein bisschen mehr Mediationskurse besuchen, netter zueinander sind, der CO2-Ausstoß verringert oder der Mindestlohn um 4 Cent angehoben wird. Sondern, dass sich etwas ganz Grundlegendes ändern muss: nämlich unsere kapitalistische Produktionsweise, die darauf basiert, dass Menschen alle Dinge, die sie brauchen, kaufen müssen. Deshalb werden nur Dinge produziert, für die auch jemand bezahlen kann und deshalb müssen alle Menschen, die nicht das Glück haben, reich zu erben, ihre Arbeitskraft in ständiger Konkurrenz zueinander verkaufen. Das aber bedeutet was anderes als die Forderung nach bedingungslosem Grundeinkommen, weniger Gier oder mehr Degrowth. Es bedeutet: Kapitalismus abschaffen! Für den Kommunismus! Slogans, die auf x-tausenden linken Aufklebern gedruckt sind und auf Demo-Transpis prangen. Was aber bedeuten sie genau? Wie kann er aussehen, so ein Weg zu einer grundsätzlich anderen Gesellschaft?
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Wie wir leben wollen oder: Projekt K

Einführung in diese Ausgabe

Komm

In dieser Ausgabe soll das Unglück überall und grundlegend zurückgeschlagen werden. Wir wollen über Wege zur befreiten Gesellschaft nachdenken. Auf solche Versuche wird oft mit Entrüstung oder Hohn reagiert (und ja, wir wissen, dass es angesichts des aktuellen weltweiten rechten Durchmarschs sehr weit weg erscheint). In die Richtung der Entrüsteten muss zu allererst klar und deutlich gesagt werden: Wir kennen den stalinistischen, maoistischen etc. Terror, die Millionen Toten (unter denen nicht zuletzt zahlreiche Kommunist_innen und Jüdinnen_Juden waren). Die Schlächter haben Namen, ob sie Stalin, Mao, Pol Pot, Ceausescu oder auch – als Verantwortliche für das Niederschlagen des Matrosenaufstands von Kronstadt – Trotzki und Lenin heißen. Wir kennen die Gulags, die Schauprozesse und die bürokratischen Herrschaftsapparate in den realsozialistischen Ländern. Diese waren und sind ganz sicher keine wünschenswerten Gesellschaften und waren auch nicht „auf halbem Wege” zum Kommunismus. Und wer sich Linke_r oder Kommunist_in nennt und vor diesen Taten nicht erschrickt und viel Energie in die Suche nach den Ursachen steckt, wer nichts von Trauerarbeit wissen will oder das Tun durch die schwierige Ausgangssituation der Revolutionär_innen verklärt, hat nichts als unser unzuckriges Stirnrunzeln zu erwarten.

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Abschließendes zum ‪#‎Cakegate‬ (31.05.2016)

Jetzt hat sich der erste Rauch verzogen und wir werfen einen genaueren Blick auf die Ereignisse. Sahra Wagenknecht hat beim LINKEN-Bundesparteitag in Magdeburg eine Torte abbekommen. Grund waren ihre Äußerungen in der Flüchtlingsdebatte, in der sie von verwirktem „Gastrecht“ und ähnlichem schwadronierte. Die Reaktionen sind erwartbar empört, sowohl bei den anderen Parteifunktionär_innen als auch bei der Presse. Besonders hervorgetan im schlechten, unsauberen Journalismus hat sich Rainer Meyer, alias @faz_donalphonso,

„FAZ: Denn sie wissen, wer die Torte auf Sahra Wagenkecht warf“

Dazu an dieser Stelle ein paar Kommentare der Straßen aus Zucker-Redaktion:
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„Nationalismus und konservatives Gedankengut durchdringen alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens“

Für SaZ #11 holten wir O-Töne von Menschen ein, die sich weltweit rechten Bewegungen widersetzen.

Partho aus West-Bengalen, der bei Sanhati aktiv ist:
Der Hindu-Nationalismus ist eine rechte Bewegung, deren Ziel ein einheitlich hinduistischer Nationalstaat ist. Die organisatorische Stärke dahinter liegt in der radikal-hinduistischen Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS), der Nationalen Freiwilligenorganisation, die auf Strömungen aus den 1920ern zurückgeht und deren Gründer offen ihre Bewunderung für Hitler zum Ausdruck brachten.
Heute behauptet das RSS, die größte nichtstaatliche Organisation der Welt zu sein, die unter anderem die Bharatiya Janata Party (BJP), die aktuelle neoliberale Regierungspartei Indiens, hervorgebracht hat. Zu ihrer politischen Taktik gehört weit verbreitete Propaganda gegen Muslime und Kommunist_innen. Beide werden als antinational bezeichnet.
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Einmal Pommes, bitte …aber ohne Kartoffeln, Salz und Fett

Über rechte Ökonomiekritik und die Suche nach den Schuldigen
„Es ist doch nicht alles schlecht!“ Ein Satz, der ganz besonders dann nervt, wenn man etwas kritisiert hat, beschreibt recht gut die Einstellung, welche die meisten der hier lebenden Menschen zum kapitalistischen Wirtschaftssystem haben. Aus dessen Hauen und Stechen in der Konkurrenz wird der gesunde Wettbewerb, der das Geschäft belebe. Anstatt der Tatsache, dass es bei allem nur ums Geld geht, wird vom ehrlichen Handwerk, der Erfinderin mit den pfiffigen Ideen und dem Künstler, der das alles nur für die Kunst macht, erzählt. Kapitalismus, aber bitte ohne Krisen, Armut, Konkurrenz und Ausbeutung.
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Feminismus konkret machen

Ein Interview mit der Band Chvrches

SaZ: In der letzten Zeit habt ihr Euch immer wieder gegen sexistische Posts auf Eurer Website und ebensolche Angriffe auf Lauren positioniert. Hat das Thema Feminismus Euch auch schon vorher beschäftigt?

Iain Cook: Die Debatte in unserer Fan-Community und der Öffentlichkeit hat glaube ich allgemein Bewusstsein geschaffen, und wenn wir es schaffen, eine Stimme gegen Sexismus und für den Feminismus zu sein, ist das toll. Aber wir nutzen jetzt nicht wirklich unseren Einfluss, um politische Themen zu besetzen, wir sind in erster Linie eine Band und haben aber gleichzeitig damit zu tun, was alltäglich so passiert.
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„Frauen, Männer und mehr?!“

So der ängstlich-erstaunte Titel eines Workshops auf dem evangelischen Kirchentag. Warum sich inzwischen auch die Kirche mit dem Kampf für eine Gesellschaft auseinandersetzen muss, in der mehr möglich ist als zwischen zwei starren Geschlechterrollen zu wählen, und warum es so viele Leute gibt, die sich dagegen wehren – auch wenn es ihnen und allen anderen darin besser gehen würde.
Viele Leute haben auch heute noch ziemlich starre Vorstellungen oder sogar Vorschriften im Kopf, was eine Frau und was ein Mann ist, und wie sich diese zwei Geschlechter zu verhalten haben. Zwar hat die Ansage, dass es nicht zwei, sondern viele Geschlechter gibt, und jede_r von uns sich selbst das passende aussuchen darf, inzwischen die breite Öffentlichkeit erreicht. Das heißt jedoch nicht, dass sie schon überall selbstverständlich geworden wäre. Für viele ist das Konzept von zahlreichen, nicht natürlichen, sondern in erster Linie gesellschaftlich gemachten Geschlechtern noch neu – und ruft Verunsicherung und oft auch Abwehr hervor.
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