Archiv für Dezember 2013

SaZ # 9 geht online!

It doesn‘t matter if you‘re black or white…schön wär‘s, Michael! Stimmt schon, vielen kann es egal sein. Hautfarbe: Hmmm….hellbeige? Rosa? Wer nicht als weiß durchgeht, kennt sich besser aus. In unserer neunten Ausgabe der Straßen aus Zucker befassen wir uns mit Rassismus – eine weitere Begrenzung der Welt, auf die wir uns nicht geeinigt haben. Wir haben versucht herauszufinden, wie diese Strukturen entstanden sind, die uns vom schönen Leben trennen, wie sie wirken und wie sie erhalten werden.

#9 Titel

Die Arbeit an der Ausgabe war nicht leicht. Wie über Rassismus schreiben, wenn es keine unmittelbaren eigenen Erfahrungen damit gibt? Es gibt Menschen, die können sich aussuchen, ob und wann sie sich mit Rassismus beschäftigen wollen. Dass sie aus Kreuzberg kommen, wird ihnen vielleicht nicht geglaubt, aber mit einem kleinlauten „Pankow“, „Brandenburg“ oder „Wien“ ist die Frage nach der Herkunft für das Gegenüber dann abschließend geklärt. Ihre guten deutschen Sprachkenntnisse müssen sie nicht dauernd erklären, nicht die Bedeutung ihres Namens kennen. Keine Aufforderung, sich zu integrieren oder „wieder zu gehen“. Warum „Refugee“ „Fighter“ bedeutet, warum es immer noch Rassismus gibt, obwohl fast niemand Rassist_in sein will – und welche Rolle dieses blöde Deutschland dabei gerne spielt. Das und mehr in diesem Heft.

Lest hier on­line oder be­stellt euch Aus­ga­ben zum Lesen und Ver­tei­len.

Rassistische Aussagen…

… und was man darauf antworten kann

„Ich bin doch kein Rassist, aber…“
„…aber Menschen aus Südamerika sind einfach aufbrausender!“
Wer in Südamerika aufwächst und lebenslang hört, dass „Südländer“ mehr Temperament hätten, wird genau ein solches ausbilden. Wetten? Wer mit der Vorstellung, dass „Afrikaner gut tanzen können“ und „trotz Armut lebenslustig“ seien, nach Afrika fährt, wird genau das ständig entdecken. Und die Leute, die dort am Laptop sitzen, Zeitung lesen oder Fenster putzen etwas weniger bemerken. Versprochen! Und dann genau solche Fotos mit nach Hause bringen. Das nennt sich „selektive Wahrnehmung“. (mehr…)

„Wir sind die Nicht-Gewollten“

Ein Interview mit einem Gründungsmitglied der Antifa Gençlik

1987 gründete sich in Berlin die Antifascist Gençlik (Jugendantifa), eine Gruppe, in der sich vorrangig Migrant_innen organisierten, um den Rassismus in Deutschland zu bekämpfen und sich selbst vor Übergriffen zu schützen. Nachdem 1992 der Neonazi Gerhard Kaindl, Landesschriftführer der Deutschen Liga für Volk und Heimat, durch eine Messerattacke starb, geriet die schon vorher stark unter Repression stehende Gruppe ins Fadenkreuz des Staates und wurde zerschlagen. Wer Kaindl erstochen hat, wurde nie geklärt. Wir sprachen mit Ercan über die Motive zur Gründung der Gruppe und die Möglichkeiten, den rassistischen Zuständen etwas entgegenzusetzen.

SaZ: Wie entstand die Antifa Gençlik? (mehr…)

Was muss ich erleben – was bleibt mir erspart

Was es mit Critical Whiteness auf sich hat und warum wir von „Weißen“ und „Schwarzen“ sprechen, obwohl es keine „Rassen“ gibt

Wenn ich mit der Regionalbahn fahre, brauche ich keine Angst haben, wegen meines „Weißseins“ angemacht zu werden. Wenn mir Leute auf der Straße hinterher gucken, kann ich davon ausgehen, dass das an meinen nagelneuen Neon-Sneakers und nicht an meiner Hautfarbe liegt. Wenn ich mich in der Schule mal wieder voll daneben benommen habe, kommt kein Lehrer auf die Idee, das mit meinem „kulturellen Hintergrund“ in Verbindung zubringen.Wenn ich mich auf eine Wohnung bewerbe, muss ich keine Bedenken haben, dass mein „deutsch klingender“ Name ein Nachteil sein könnte.
Ganz normal, dass Name, Hautfarbe oder Herkunft keine Rolle spielen? (mehr…)

„Wenn du kein Deutsch kannst, hast du Pech gehabt.“

Interview mit einem Antira-Aktivisten über Rassismus bei den Behörden.

Ob Ausländerbehörde oder Jobcenter, überall erwartet People of Color in Deutschland eine ähnliche Situation: Unfreundliche Mitarbeiter_innen, wenig oder gar keine Erklärungen und oft auch mal ein widerlicher Spruch. Das liegt aber nicht allein an einzelnen schlecht gelaunten, latent rassistischen Mitarbeiter_ innen der einzelnen Behörden, sondern das ganze hat System. Wir haben uns mit einem Antira-Aktivisten der Gruppe Corasol, die Menschen auf Ämter und Behörden begleitet, über seine Erfahrungen unterhalten.

SaZ: Was für Erfahrungen hast du bei der Ausländerbehörde oder beim Jobcenter gemacht? Wie sind die Leute da mit dir umgegangen?
P.: Als ich meine Aufenthaltsgenehmigung bekommen hatte, musste ich mich beim Jobcenter anmelden.
Dort habe ich eine sehr schlechte Erfahrung mit der Mitarbeiterin gemacht.
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Gefährlicher als Pyrotechnik

Das Runde muss ins Eckige. Doch manche Partie des gepflegten Rasensports entwickelt sich zur Hetzjagd und das Stadion der Freundschaft wird zur Arena der Feindschaft. Wie Fußball der Nation dient und warum Meister der Herzen häufig von Meistern des Hasses angefeuert werden.

Trikot anziehen, Bier in die Hand, Nationalfarben in die Fresse und losgrölen. Fertig sind der Deutschland-Fan und das bekannte und immer wiederkehrende Bild von Fanmeile – einem Meer aus Papp-Fähnchen und schwarz-rot-doofer Bierseligkeit. Auf den ersten Blick scheint das ja alles harmlos und wie ein großes Fest zu sein. Ist es leider nur nicht. Wenn nach einem Sieg in irgendeinem Spiel nervhupend im Auto-Korso durch die Stadt gefahren wird, geht es nämlich neben dem Spaß und der großen Party auch um das Zugehörigkeitsgefühl zu etwas Großem. Zu einem Kollektiv: der Nation. Diese Sehnsucht nach der Gemeinschaft konnte in Deutschland ja lange wegen des blöden Nationalsozialismus nicht gezeigt werden – so zumindest die Meinung vieler.
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White Charity

Schwarzsein und Weißsein auf Spendenplakaten.

Auf Bahnhöfen oder vor Supermärkten – an vielen Orten in Deutschland sieht man Aufrufe von Nichtregierungsorganisationen wie ‚Brot für die Welt’ ‚Care’ oder ‚Welthungerhilfe’, die mit großen Plakaten zum Spenden für irgendeinen „guten Zweck“ werben. Welche Auswirkungen diese Plakate auf die Menschen in Deutschland haben, zeigt der Film `White charity`.

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