Archiv für Februar 2013

Gemachte Geschlechter und Anglizismen

Liebe Leute,

ich habe Eure kleine Zeitung zum ersten Mal gelesen – als Beilage in der
taz und in der Jungle World.

Wirklich nett und hübsch gemacht. Vor allem finde ich toll, dass Ihr sie
auch auf anderen Sprachen – etwa auf Türkisch – verteilt oder verteilen
wollt.

Inhaltlich geht es mir ein Stückchen zu weit. Ich glaube, 99 Prozent der
Leser und Leserinnen stellen nicht in Frage, ob sie sich als Mann oder
Frau fühlen oder ob ihr Geschlecht „gemacht“ sei. Sie wollen,
hoffentlich, einfach nur lieben, wen sie wollen – und sie sollten
einfach tolerant sein gegenüber anderen Menschen, mit welchen sexuellen
Präferenzen auch immer.

Im Klartext: Ich weiß nicht, ob Ihr einem türkischen Gangmitglied oder
einem ostdeutschen Landmädel mit „gemachtem Geschlecht“ kommen könnt.
Mir würde schon reichen, wenn die weniger schwulenfeindlich wären.

Zum Schluss: Etwas anstrengend fand ich auch Eure vielen unnützen
Anglizismen, die in der Zeitung verstreut sind. Wie gesagt, es ist toll,
wenn Ihr die Zeitung übersetzt, aber es ist schöner, wenn man jeweils
bei einer Sprache bleibt – und so die sprachliche Vielfalt der Menschen
erhält. Ihr seid doch für Diversity, oder ;-) ?

Viel Erfolg und beste Grüße, R

Hallo R.,

danke für Dein Feedback und Dein Lob. Zu Deiner Kritik: Wir glauben auch nicht, dass sich 99% der Menschen Gedanken darüber machen, ob sie nun „gemachte“ Männer oder Frauen sind, sondern das erstmal ganz „natürlich“ finden. Genauso denken auch die meisten Menschen, dass Nationalstaaten „natürliche“ Einrichtungen sind, Menschen von sich aus auf Konkurrenz getrimmt sind, oder dass es sowas wie „Rassen“ gibt. Falsch finden wir das alles, und kritisieren all diese Einstellungen deswegen auch – auch wenn „die Massen“ unsere Meinung leider (noch) nicht teilen ;)
Und als Kurzziel finden wir es auch super, wenn Leute erstmal weniger homophob sind. Aber auch Homophobie lässt sich ja nicht trennen von krassen Männlichkeitsvorstellungen (Männer, die sich von anderen Männern penetrieren lassen, sind keine „richtigen“ Männer), oder normierten Ideen davon, wen denn nun „Frauen“ oder „Männer“ so lieben sollen. Das heisst: Diese Themen, und somit auch die Erkenntnis, dass Geschlecht nichts „Natürliches“ ist, sollten also auch angesprochen werden. Der Kampf gegen Homophobie im Alltag wird unseres Erachtens dadurch nicht geschwächt.

Dann: Was stört Dich denn konkret an den Anglizismen? Wir finden es auch nervig, wenn durch unnötige Anglizismen – z.B. in der Werbung – so eine Pseudo-Hipness vermittelt werden soll, und/oder Leute ausgeschlossen werden, die kein Englisch können. Wir finden Englisch manchmal aber eine nette Sprache, und denken, dass unsere Zielgruppe (v.a. Schüler_innen/Student_innen) alle mehr oder weniger Englisch sprechen können. Und bedeutet „Diversity“ dann nicht eben auch, mit Sprache(n) zu spielen, statt in so einer Sprach-Deutschtümelei zu verfallen?

Beste Grüße
Leia
für die SaZ

Pseudo-Interviews

Hallo liebe Redaktion von Strassenauszucker,

zwei Dinge fand ich etwas schade bei der letzten der taz beiliegenden
Ausgabe:

1. die Texte der Interviews lasen sich für mich nicht wie richtige
Interviews, sondern wie Pseudo-Interviews, die um einen zu
transportierenden Inhalt herum gedichtet waren. Wenn es die Zielgruppe
erreicht, ok. Aber ich kam mir beim Lesen so veräppelt vor, dass ich
nicht weiter gelesen hab.

2. Der Artikel über die Sensazionella-Pinkel-Hilfe war sehr gut – habe
ich gleich meiner Freundin weitergegeben. Aber der Hinweis, dass nur
Männer daneben pinkeln ist unserer beider Erfahrung nach falsch. Es gibt
wahrscheinlich genauso viele Frauen, die sich auf die Kloschüsseln
stellen mit dem entsprechenden gleichen unappetitlichen Ergebnis wie bei
stehenden Männern.

Schöne Grüsse

C.

Hallo C.

danke für Deine Mail.

1. Ja, Du bist nicht der einzige, der uns das gesagt hat. Das
Pussy-Riot-Interview ist übrigens real geführt worden, die kleinen
Sprachblasen über Familienweisen haben wir uns ausgedacht. Allerdings
gibt es genau diese Lebensweisen ja real, sie sind nicht wirklich absurd
oder an den Haaren herbeigezogen. Gleichzeitig ist es viel Arbeit, so
viele Menschen zu finden, die dann in ähnlicher Form kurz was dazu
schreiben. Wir fanden diese Form der Darstellung in fiktiven Porträts
erfrischender und lesenswerter, als wenn da nur gestanden hätte „Manche
Leute leben mit 2 lesbischen Eltern“ oder so, können aber auch
verstehen, wenn Leute das komisch finden.

2. Hmm, Frauen die sich auf die Kloschlüssel stellen? Interessant! In
meiner – weiblichen – Erfahrung sind Frauenklos auch manchmal ganz
schön dreckig, vom Nicht-auf-die-Brille-setzen sondern irgendwie in der
Luft drüber schweben. In meiner Erfahrung sind es beim
„geschlechter-ordnungsgemößen“ Gebrauch in Privatklos aber doch die
stehenden Männer, die mehr Spuren nebenan hinterlassen (die dann ganz
traditionell eher von den Frauen weggeputzt werden). Aber wie auch
immer: Danebenpinkeln ist immer doof. Die Sensazionella soll ja auch
kein Aufruf zu mehr Dreck-Machen für die Ladies sein, sondern einen
kleinen biologischen Unterschied ausgleichen, der es zum Beispiel Jungs
ermöglicht, draußen ungestört Geschäften nachzugehen die Frauen doch
eher erschwert werden. Also: Deiner Freundin viel Spaß damit!

Liebe Grüße
Leia
für die Saz-Crew

Flyer Kritik

hey,
musz mich mal kurz aufregen… nich nur das der flyer-text ganz
furchtbar ist (mit der „witzigen“ anspielung auf die matratzen dieser
welt) und nur die „star“-dj_anes auf gezählt werden, auch der
einladungstext per mail geht gar nicht. ihr könnt doch keine ausgabe zu
gender etc machen und dann dazu auffordern alle weiblichen, männlichen
und intersexuelle freund_innen mitzubringen! warum so´n text. da waren
wir in der linken doch schon mal n schritt weiter. ach ja, und ich lach
dann mal später…
e.

Hallo E.,

danke für Deine Mail. Wir wollen Deine Kritik ernstnehmen, versuchen sie
dafür aber erstmal zu verstehen.

1. Was findest Du denn doof an der Matratzen-Formulierung? Unsere neue
Ausgabe beschäftigt sich ja auch mit Sexualität, und die findet häufig
auf Matratzen statt. Dass mag vielleicht etwas platter Humor sein und in
Bezug auf die Wahl des Sex-Ortes auch normierend, aber es scheint ja so,
als ob Du Dich nicht nur darüber aufregst – worüber denn dann?

2. Das mit den Star-DJ_anes: Stimmt. Einerseits standen die schon lange
fest, manche der anderen nicht. Andererseits brauchen auch wir, wie
leider alle in dieser doofen Gesellschaft, Geld. Dafür müssen wir eine
Soliparty machen und unser Produkt vermarkten. Deswegen ein Flyer, auf
dem wir die bekannten DJ_anes an prominente Stelle setzen.

3. Die Aufforderung, alle „weiblichen, männlichen und intersexuellen
Freund_innen“ mitzubringen ist doch gerade der Versuch, unterschiedliche
Geschlechtsidentitäten sichtbar zu machen – und damit auch darauf
hinzuweisen, dass es sich dabei um eine zwar herrschaftsförmige aber
eben auch konstruierte Kategorie handelt. Was findest Du schwierig daran?

Also – schreib gerne nochmal!
Liebe Grüße
Leia

Die SaZ Nummer 8 ist online!

Bonjour chéries, da sind wir wieder!
Die antinationale Jugendzeitschrift #8 zum Frühlingsgefühl:
Freundschaft, Sex und Schwierigkeiten. Eine Ausgabe zu Feminismus und
ihren Fans, Kuscheln und Konkurrenz. Was das eine mit Kapitalismus und
das andere mit Liebe zu tun hat? This is crazy…

Lest hier online oder bestellt euch Ausgaben zum Lesen und Verteilen.

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