That‘s Not My Name!

Warum wir manchmal einen Strich zwischen den Wörtern machen? Weil hinter Sprache viel mehr steckt als viele denken.

Putzmann, Vatersprache, Mechanikerin, Mutterland, Bauarbeiterin.
Ist euch etwas aufgefallen? Noch ein paar Beispiele: Krankenbruder, Hausmeisterin, Kindergärtner, Tagesvater. Und wieso denken alle bei einer Autoreparatur immer an einen Mann, beim Abwaschen und Putzen jedoch an eine Frau?
Ihr merkt vielleicht worauf wir hinauswollen. Sprache funktioniert nicht so einfach wie es scheint. Auch in der Sprache gibt es Stereotype, Diskriminierungen, Klischees und Rollenbilder. Sprache bildet eben nicht nur die Wirklichkeit ab und ist neutral, sondern ist gesellschaftlich konstruiert, hat eine Wirkung auf die Menschen und ist natürlich auch veränderbar.
Mittlerweile gibt es viele Möglichkeiten und Versuche, diesen Sexismus und diese Normen in der Sprache aufzubrechen. Eine der Möglichkeiten ist es zu gendern. Das bedeutet z.B.: statt Student StudentIn zu schreiben. Weil wir die Leute allerdings nicht auf männlich oder weiblich festlegen wollen und weil es noch Menschen jenseits dessen gibt, schreiben wir Student_in. Der Unterstrich steht für all die, die sich nicht kategorisieren lassen oder die nicht kategorisiert werden wollen.
Oftmals kann es auch vereinfacht werden, indem z.B. einfach von Studierenden gesprochen wird, dabei wird die Unterscheidung in verschiedene Geschlechter gar nicht erst aufgemacht.
Viele Untersuchungen weisen darauf hin, dass allein der Verweis auf das Geschlecht schon negative Auswirkungen haben kann. Teilnehmende einer Studie mussten vor dem Test Fragebögen ausfüllen, Frauen die vorher auf dem Fragebogen ihr Geschlecht angeben mussten, haben danach bei Mathematiktests schlechter abgeschnitten, als die, die es nicht angeben mussten. Außerdem zeigt sich, dass Berufe, die bisher klare Männerdomänen waren, attraktiver für Frauen werden, wenn sie geschlechtsneutral dargestellt werden.


All the things she said

Wenn gegendert wird, bekommt man oft zu hören, man wäre bloß ein_er dieser verrückten Linken und nur politisch korrekt. „Political Correctness“ ist allerdings nicht nur ein Vorwurf von rechten Gruppierungen, sondern vor allem ein politischer Kampfbegriff. Rechte sehen sich selbst in der Opferrolle, sprechen von Zensur und behaupten, man würde ja heutzutage gar nichts mehr sagen dürfen. Linke haben den Begriff der Correctness eigentlich nie für sich reklamiert.
Es geht ja auch überhaupt nicht darum, nichts mehr sagen zu dürfen. Man kann gerne noch über Homophobie am Arbeitsplatz, Übergriffe beim Feiern oder Sexismus in der Werbung sprechen. Doch darüber schweigen sich die Leute lieber aus. Es geht also um den Versuch einer möglichst diskriminierungsfreien Sprache, auch wenn man dabei einsehen muss, dass es nicht die perfekte herrschaftsfreie Sprache gibt. Trotzdem kann es versucht werden. Und Leute die behaupten „das ist voll nervig“ haben meistens auch keine besseren Alternativvorschläge, wie man Sexismus endlich zurückdrängt. Sprache verändert sich sowieso regelmäßig. Neue Worte gehen in den Sprachgebrauch über und das kann ja auch zum Positiven gewendet werden.

You got a right to scream, when they don‘t want you to speak
Natürlich heißt das noch nicht, dass eine Intervention bei der Sprache ausreicht. Nur weil statt von Managern jetzt von Manager_innen gesprochen wird, muss man sich nicht einreden lassen, dass Diskriminierungen am Arbeitsplatz verschwunden sind. Nur weil jetzt von einer Reinigungskraft statt von einer Putzfrau gesprochen wird, wird er_sie nicht automatisch besser bezahlt oder der Job ist weniger beschissen.
Eine Diskussion um Sprache darf reale Interventionen nicht ersetzen. Es geht noch immer darum der allgemeinen Scheiße etwas entgegenzusetzen, bei sexistischen Übergriffen einzuschreiten und die Betroffenen zu unterstützen.

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