Archiv für Dezember 2012

Anstatt einer Einleitung: Warum eine internationale antinationale Zeitschrift?

Die Zeitschrift Routes sucrées erschien bisher nur in deutscher Sprache. 2009 in Berlin als einmaliges Zeitungsprojekt für junge Menschen anlässlich der nationalistischen Deutschlandfeierlichkeiten gegründet, wurde aufgrund der vielen positiven Reaktionen eine reguläre Zeitschrift daraus. Mit mittlerweile 8 Ausgaben, die im gesamten deutschsprachigen Raum gelesen werden. Zu Themen wie Alltagskritik, Nationalismus, Liebe, Geschlechterverhältnisse, Sexualität, Kapitalismuskritik, Religionskritik und vielen mehr. Wir versuchen dabei, die Texte allgemeinverständlich zu halten. Linke Texte, die abschrecken und klein machen, gibt es ja schon genügend.

Wenn wir auf deutsch schreiben, bleibt jedoch ein Punkt, der sehr wichtig ist, auf der Strecke: Der internationale Austausch. Wir stellen immer wieder erstaunt fest, wie stark doch die linken Diskussionen auf einzelne Sprachgebiete beschränkt sind. Uns scheint, wir haben über linke Debatten in anderen Weltgegenden oft nur schablonenhaftes im Kopf. Und wenn wir z.B. in die USA oder nach Südamerika fahren, werden wir ebenfalls mit teilweise komischen Vorstellungen davon, was angeblich in der deutschsprachigen Linken abgehe, konfrontiert.

Weil es aber einen ganzen Haufen Leute an vielen Teilen der Welt braucht, um dieselbe zu verändern, wollen wir gerne miteinander in Kontakt treten und einander verstehen. Deswegen nun endlich eine internationale Ausgabe auf englisch, Ausgaben in weiteren Sprachen sind geplant. Wir wollen diskutieren und uns vernetzen. Wir wollen Debatten jenseits der Sprachgrenzen führen (jenseits der Nationsgrenzen sowieso). Diese Ausgabe enthält deswegen Artikel über Themen, die uns am Herzen liegen. Wer mit uns diskutieren will, einfach schreiben an: info[at]strassenauszucker.tk
Wir werden Zuschriften und Austausch mit Eurer Genehmigung sammeln und veröffentlichen auf der Website: strassenauszucker.tk

Diesem Wunsch nach Austausch und Diskussion liegen zwei Urteile zugrunde, die wir kurz skizzieren wollen. Eine Bewegung, die unsere Interessen und Wünsche vertritt, muss – neben vielen anderen Punkten – zweierlei sein: internationalistisch und antinational.

Warum antinational?
Die häufigste Antwort, die wir auf unsere Aussage, dass wir antinational seien, hören, ist:
Das sei doch schließlich auch „unser Land“. Was daran stimmt, ist, dass die Leute, die in den jeweiligen Ländern wohnen, sehr oft auch den Pass oder andere Dokumente dieses Landes besitzen. Das heißt, es ist ihnen behörderlicherseits „erlaubt“, dort zu leben und zu arbeiten. Wenn sie keine Arbeit finden, ist es dann eine Behörde „ihres Landes“, die sie nervt und zu irgendeiner Arbeit zwingt oder kriminalisiert. Es ist „ihr“ Land, das eine Welt voller Konkurrenzsituationen anbietet, das in Kindergarten und Schule verständnisvoll lehrt oder auch nur einprügelt, dass mensch sich anstrengen muss um in der Gesellschaft bestehen zu können. Das alles, weil der „eigene Staat“ sich gegen andere Nationen behaupten will und muss, und ich dummerweise von dessen internationalem Erfolg auf dem Weltmarkt auch noch abhängig bin. Und wenn „Dein“ Land beschließt, dass nun irgendein anderer Staat(enbündnis) gerade der „Feind“ ist und die Berufssöldner_innen nicht mehr ausreichen, darf ich andere Leute erschießen oder mich totschießen lassen, coole Sache, das.
Für die Menschen, die keinen Pass von dem Land besitzen, in dem sie wohnen, ist das Konzept Nation umso gewalttätiger. Sie müssen sich einerseits vor staatlichen Drangsalierungen und anderseits von rassistischen Nachstellungen schützen. Man sieht schon: Unser Problem ist nicht nur ein irgendwie überzogener Nationalismus oder Patriotismus (was für uns das Gleiche ist). Oder, weil die „falschen“ Politiker_innen an der Macht wären. Das Problem liegt viel tiefer, weswegen wir nicht nur antinationalistisch – darauf können sich auch so manche liberals heuzutage noch einigen – sondern antinational sind: Nation und die Liebe zu ihr sind tödlich.

Meine Herrschaft hört auf den Namen Deutschland. Für Menschen in Argentinien heißt sie Argentina und in Russland wird sie Россия genannt. Ein Beispiel mag ein Teil des Gedankens illustrieren: Während der Fußball-Europameisterschaft 2012 wünschten sich einige, Griechenland würde gewinnen. Denn das „arg gebeutelte Land brauche Hoffnung und Freude“. Das zeigt den Kitt an, den der Nationalismus bietet. Gesellschaftliche Widersprüche werden weggetanzt, all die Neu-Obdachlosen sollen, wenn sie schon nichts zu essen haben, sich wenigstens freuen können. Und stolz auf ihr Land sein. Doch dieser Stolz steht einer Änderung der Verhältnisse, die für Obdachlosigkeit und Hunger sorgen, eklatant entgegen. Viele Menschen in Griechenland scheren sich auch schon lange nicht mehr um den nationalen Erfolg. Weil sie wissen, dass ihre Lebenssituation dadurch nicht besser wird. Sie beginnen in den engen Grenzen, in denen das kollektiv hier möglich ist, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen, wie es einige Jahre vorher viele in Argentinien taten.
Auch ich setze keine Hoffnung auf Wachstum des Bruttosozialprodukts. Denn ich werde davon sowieso nichts sehen. Und selbst denen, die davon profitieren, könnte es in einer vernünftig verfassten Gesellschaft besser gehen. Ich verweigere mich der Reden vom Standort, für den mensch den Gürtel enger schnallen müsse. Ich verweigere mich auch den liberalen Reden, ich solle auf die Verfassung oder Sozialgesetzgebung „meines“ Staates stolz sein. Allein, dass ich mir nicht aussuchen kann, welche Verfassung mir weltweit am besten gefällt und ich dort dann Bürger_in werden kann, entlarvt diese Vorstellung der Nation als ideelle Wohlfühlagentur als Lüge von Akademiker_innen. Ich verweigere mich dem Jubeln für „meine“ Nationalmannschaft, den Namen meiner Herrschaft rufe ich nur mit der Erinnerung an seine Opfer aus. Aus den Nationalfarben meiner Herrschaft versuche ich hoffnungsvolle Farbkombinationen zu basteln (in Deutschland einfach das goldene rausschneiden und es wird die schwarz-rote Fahne) oder lass mir Flaggen gleich ganz egal sein. Ich brauche keine Nation, ich brauche Freunde.
Ich will vernünftige Lebensbedingungen für alle Menschen. Und ich will dass wir alle gemeinsam darüber entscheiden können, was vernünftige Lebensbedingungen sind, und uns nicht irgendwelche Behörden, Parlamentarier_innen (die selbst unter ganz anderen Bedingungen leben dürfen) oder irrsinnige nur im Kapitalismus bestehende Sachzwänge sagen, dass die Löhne der Beschäftigten, die Sozialhilfe oder die Gelder für Asylbewerber_innen hoch genug sind.

Warum internationalistisch?
Wir verstehen unter Internationalismus den Versuch, die nationalen Grenzen zu sprengen. Deswegen bereitet uns das Internationalismus-Verständnis, das teilweise in linken Kreisen vorherrscht, Kopfschmerzen: Wenn Internationalismus heißt, sich automatisch auf die Seite von Widerstandsbewegungen in aller Welt zu schlagen, ist es nicht unserer. Wir solidarisieren uns nicht unkritisch mit allen Menschen, die aufbegehren, sondern fragen zuerst nach ihrem Grund für das Nicht-Mehr-Mitmachen. Die Logik, der Feind unseres Feindes sei unser Freund, ist für uns unlogisch. Wir machen unsere Unterstützung an emanzipatorischen Maßstäben fest, für die wir mit Argumenten streiten. Wer sich in martialischem Auftreten und männlicher Dominanz gefällt, Parteidisziplin erwartet und nicht Arbeit reduzieren sondern Held_innen der Arbeit küren will, wer Rassismus oder Antisemitismus in seinen Reihen duldet, Homosexualität oder Transmenschen ablehnt, die_den kritisieren wir. Wessen Kapitalismuskritik darin besteht, Bankiers für alles durch den Kapitalismus produzierte Übel persönlich verantwortlich zu machen und wer die sowieso nur imaginierte „Reinheit der Völker“ erhalten will und an der Herrschaft nur schlecht findet, dass sie von denen ausgeübt wird, die aus einem anderen Land kommen, also „Fremd“herrschaft sei, mit der_m haben wir nichts gemein. Da ist es egal, ob sie oder er gegen eine Herrschaft aufbegehrt, die wir auch kritisieren. Wir wollen nicht einfach irgendwelchen Erfolg haben, sondern Erfolg mit dem, was wir politisch wollen und ersehnen. Wer alles, für was sie_er streitet, vergisst, um mehr zu sein, macht uns ratlos.

Was verstehen wir aber dann unter Internationalismus? Aktuell scheiden sich die Menschen unter anderem in „Nationen“ und „Völker“. Unser Ziel ist es, dass alle Menschen sehen, dass diese Trennungen sie abhalten, sich endlich zusammenzuschließen. Es gibt nur eine Menschheit. Die Liebe zur „eigenen“ Nation – aus welchen Gründen auch immer – ist genau das Gegenteil der politischen Solidarität der Menschen, die wir anstreben. Patriotismus und internationale politische Solidarität der Menschen untereinander sind zusammen nicht zu haben. Aus Patriot_innen werden kurz oder lang immer unsere Gegner, weil ihr Ziel letztlich nicht die Befreiung der Menschen ist.

Damit erklärt sich eigentlich schon, warum wir internationalistisch sind. Warum in den Grenzen der Nationen, die wir bekämpfen, diskutieren? Diese Frage ist uns so eindeutig beantwortet, denn wir fühlen uns der Feministin in Benin weit näher als dem Rassisten in Berlin.
Anderseits ist der Kapitalismus als Weltsystem verfasst. Den anti-autoritären Kommunismus, für den wir streiten und in dem endlich nach Bedürfnissen produziert wird, nur in einem Land aufzubauen halten wir für nicht durchführbar. Allzu schnell hätte man die Armeen der Welt gegen sich, die noch jeden Versuch, Rahmenbedingungen für ein gutes Leben für alle zu verwirklichen, blutig niederschlugen. Und in einer arbeitsteiligen Weltökonomie müsste man sich dann zudem noch auf Markt- und Konkurrenzkriterien des Kapitalismus einlassen, um an die Dinge zu kommen, die nicht in der eigenen Gegend herzustellen oder abzubauen sind – mit enormen Auswirkungen auf die eigene bedürfnisorientierte Ökonomie. Deswegen müssen wir auch schon in Zeiten, in denen an Revolutionen nicht zu denken ist, uns austauschen und vernetzen. In Zeiten, in denen wir nur eine kleine radikale Minderheit sind, wollen wir Strukturen schaffen, die über Sprachgrenzen hinweg funktionieren. Strukturen, in denen an Organisationsformen für revolutionäre Zeiten gebastelt werden kann, damit dann in bewegten Tagen möglichst hierarchiefrei über eine befreite Gesellschaft diskutiert werden kann. Denn wir wollen, dass niemand jemals wieder irgendjemandem folgt und diese herrschaftsfreie und bedürfnisorientierte Kommunikation will gelernt sein. Wie lassen sich Wissenshierarchien abfedern, wie kann sichergestellt werden, dass nicht immer nur die Männer oder Älteren reden, aber auch: wie lassen sich zusammen Texte so verfassen, dass alle sie verstehen und sie trotzdem nicht vereinfachend Dinge darstellen? Welche Organisationsformen taugen hierfür? Wir wollen es ausprobieren!

Bist Du jemand, der das auch versuchen will? Dann kontaktiere uns. Kennst Du Gruppen, die das selbe Projekt haben, dann leite uns bitte ihre Kontaktdaten weiter. Willst Du diese Zeitung verteilen oder in Deiner Gegend auslegen, schreib uns, wir schicken kostenlos zu (kann dauern, immer wenn Geld da ist).

Nun aber: Viel Spaß beim Lesen. Findest Du einen Artikel falsch und willst uns kritisieren, auch bitte gleich schreiben.

International antinational: Routes sucrées – out now

Nun endlich, durch Eure großartige Übersetzungshilfe ist sie draußen: Die erste
Ausgabe unserer englischsprachigen Version der SaZ, called Routes sucreés. Mit einigen neuen Texten und den hits der bisher erschienenen Ausgaben. Weitere
Sprachen sollen folgen (wir suchen gerade speziell Übersetzer*innen für türkisch
und französisch). Doch warum das alles? Wir stellen immer wieder erstaunt fest,
wie stark doch die linken Diskussionen auf einzelne Sprachgebiete beschränkt sind.
Uns scheint, wir haben über linke Debatten in anderen Weltgegenden oft nur
schablonenhaftes im Kopf. Somit wollen wir endlich bzw. mehr in Austausch jenseits
der sprachlichen Grenzen treten, wollen uns vernetzen, wollen linke Debatten
weltweit führen. Mehr zu dieser Frage, also: Warum eine antinationale
internationale Zeitschrift findest Du in diesem (deutschsprachigen) Text, der zugleich die Einleitung der Ausgabe ist.

Nun seid ihr dran: Lest, kritisiert und wenn ihr sie gut findet, nehmt die Ausgabe
mit in den Urlaub oder wenn ihr sonst verreist. Das heißt: Bringt die Routes
sucrées dorthin, wo Menschen englisch verstehen, legt sie in linke Cafés und
Buchläden, in Squats, Backpacker-hostels oder WGs all over the world. Wir schicken
Euch die gewünschte Anzahl kostenlos zu. Erzählt Euren Freund*innen in Denver oder
Perth, in Tel Aviv oder Stockholm, in Johannisburg oder Kuala Lumpur von der
Zeitung, auch sie können sie kostenlos bestellen (wir versenden, immer wenn wir
Geld für Porto in WeitWeg-Regionen haben).

Eure SaZ-Crew

We are not disabled, we are being disabled.

“It is not our bodies that are wrong, but a poorly-equipped society.”

The fact that the self-determination of people with disabilities is a public issue today is not a matter of course, but rather the outcome of a movement which started forty years ago in the United States but which is still largely unknown: the disability rights movement. For the first time people with disabilities are making their voices heard – loud, ungrateful, even angry, because of the constant paternalism they have experienced. We talked to the left-wing activist Tim in Berlin about who is disabling whom, what needs to happen, and why the cinema is apparently not for disabled people.

Many know about the women’s rights movement, the political struggle of gay people, but still relatively few have heard of the disability rights movements. Does that surprise you? And do you actually use the term `disabled`?

Yes, I do use it, but only in the sense that society is disabling us. And the fact that the movement is so unknown does not surprise me at all. Disability is not a very trendy theme in general. It first provokes misgivings; many want to stay away from it. Also, the movement has become small, especially over the last years. It annoys me that nobody knows it. Many achievements that are taken for granted today would not exist without it. Elevators in train stations or the chance to choose one’s caregiver – it is not that the government just came up with all that.

…or to rename the German TV lottery which gives money to disability projects `Aktion Sorgenkind` (`Campaign Problem Child`) into `Aktion Mensch` (`Campaign Human Being`).

Yes, but that only happened in 2000. It was the disability rights movement that turned itself particularly against the idea of aid and this whole business of pity: people who do not know me are convinced they know how my life looks like, how I am. However, it is me who knows best.

…and all this being nicely presented in a wellmeaning fashion.

Yes, that really gets on my wick. It’s not long ago that I got petted on the head by complete strangers or that I was given a Euro – as a donation. Stuff like that happens less frequently today. What still gets me though is when people are talking about me over my head. For instance when I am with others, especially non-disabled people, it is always them who are being addressed, not me. They are then being asked: “Where does he want to go?” or “Can he get there with his wheelchair?” As if I just wasn‘t there. People are so insecure and afraid to do something wrong, they rather avoid any contact whatsoever. I’d prefer if people would say said something funny at times, or ask a stupid question rather than being constantly excluded as a subject. I also experience this type of exclusion in lefty circles, although to a lesser degree. But often interaction becomes normal more quickly, probably because people are used to the feeling of being outcasts themselves.

What does social exclusion of disabled people look like today? I‘m not that familiar with it, I only know that there are special care homes and schools for people with special needs. Have you been in any of that?

No. But my parents had to fight for that. They wanted to me to go to school with all my friends from the neighborhood. However in order to do so I needed to undergo numerous tests. Many medical reports were needed. Nevertheless enrolment only happened on a trial basis. At any time they could have taken me out of the school and put me into a special needs school. It is good that there is a lot of talk about `inclusion` today and that it is not compulsory to attend special needs schools any more. However, many children with special needs are being put there since regular schools are claiming not to have enough money or properly trained staff. Apart from that this new politic also shows a modernisation of capitalism.

What do you mean by that?

Well, what and who is defined as disabled always depends on how people are `vernutzt` (used up for economic profit). Those who possess very little only have their body to work and earn money with. But what if this working force does not ` function` probably? Then there is the question of how to deal with a person labelled as `unproductive`. The common method used to be custody. These days, however, physical work has become less important in most Western states. Thus the entire `disabled` workforce lies waste. It can be useful after all. That’s why part of my specially equipped car is being financed – but only if there is proof of employment. On the contrary, if I would be unemployed I do not need to leave my house according to the state. I am allowed to submit travelling receipts for going to the job centre or job applications, but apart from that I am supposed to just stay at home. Going to the café or meeting friends does not count. They gave me my first car when I entered university, and strictly speaking I was only allowed to use it for driving to the university. After graduation, public authorities took it back. This shows that it is now commonly accepted that disabled people are `vernutzbar` as well. Thus disability is being addressed just to the extent that it is counter-productive to the `Vernutzung` (the profitable usage of human capital). According to that view, an unemployed, disabled person should not necessarily go to the cinema.

But the idea that `they are disabled` is not only the state’s view. Most people have internalised norms about what is supposed to be `beautiful` and `normal` and perceive the world in that way. How could such concepts be dissolved?

I believe that as long as disability remains connected to pain, suffering and disadvantage, this won‘t change. Maybe if people with disabilities are perceived as self-confident, joyful and sometimes equally depressed people, and if this becomes part of normality, such things could dissolve slowly. But in order for that to happen, all those disabilities made by society have to be removed.

For further reading:

Disability Studies Quarterly

The Icarus Project
A project dealing with „mental illness“

The Ragged Edge

Ouch Blog

We‘re Running out of Work – at Last!

Running out of work, are you kidding me?!? Reading this, you might think we have gone mad. In this society, labor is one of the most important things imaginable. Unemployment statistics are published regularly and people get excited when any drop is reported. When a planned new factory raises protest, perhaps for environmental reasons, the most common counter argument is usually „But come on, this creates jobs!“ It almost seems as though work is a value in itself. Apparently, many people don‘t work to afford a more or less bearable life, but rather they live to work. This even goes as far as inventing new jobs just as busywork. In 2009 the German government introduced a car scrappage scheme in order to stimulate the economy: When exchanging their ‚old‘ car for a new one, people received a bonus of 2500€. Apart from stimulating the economy, the main line of argumentation was that this would be good for the environment. But destroying a small car in order to buy an SUV has certainly not helped the planet. So ironically, this caused many cars that were still fairly new to end up on the junk yard – so that car manufacturers would have enough work. What a crazy idea: The main aim was to simply produce more, and as an effect do away with perfectly fine cars. Another example: Sometimes tasks are invented just to make people who (have to) live off unemployment benefits „get used to work“. Others speak of work as if it ennobles and cultivates those doing it. And we are all supposed to work longer and longer, even though many people won‘t make it to retirement because of job-related illness. At the same time, more and more young people are unemployed, unable to find work in the first place.

If toil is worshipped it is not my revolution
The idea that work ennobles is a misconception also widely found on the left. The degradation of the proletariat as „uncivilized drudges“ by the bourgeoisie led to a fetishisation of work in the Soviet Union and the other „socialist“ states just as scary as its capitalist version. The „hero of labor“ – an award given to exceptional workers in the GDR – doesn‘t see his or her work as a means to an end either, but as an end in itself. But the reason why we want a communist society is to have a good life for all – and that means avoiding unnecessary work and instead the effective use of labor, so that there is more time for friends, art, parties, politics and whatever else one feels like.
However, many unions and other left forces are united with the majority of the population in rejecting a culture of indolence and hedonism. Oftentimes, this opinion is topped with the anti-intellectual remark that „a little bit of hard work never hurts anyone,“ or that all these students should drop their books and do some „real“ work instead. Not that hard labor in a factory cannot be an interesting experience, but this view is basically designed to make „slackers“ feel guilty for not wanting to do mindless toil.
But even in the self-declared hedonist left that critiques „work,“ one can find fetishization of labor. For example, when everyone talks about their „projects“, how depression is only socially accepted in the form of „burn-out“, or when people blabber about their stressful lives only to indicate how productive they are; these are moments when the totalitarian character of our society reveals itself. To just relax and do nothing is acceptable, maybe, only on the week-end. Even in the left we often think that true social approval can only be achieved by proving our productivity, in one way or another. Equating an individual’s value with their productivity has become second nature even to critics of labor fetishization.

„Work is half of life“ (German proverb)
Where does this idea that you are only worth something when you work come from? We think it has a lot to do with the reason why, and in what form, labor exists in this society. This may sound strange, because after all, hasn‘t work existed as long as mankind? True, but labor today appears in a very specific form, at least in the industrialized countries: as wage labor. What are the consequences of this basic fact?
In our society, we are compelled to work in order to have an income. Most people can‘t even afford to consider waiving part of their income in order to work on something they would enjoy.
Actually there aren‘t too many enjoyable jobs on offer in the first place. And just as people must work in order to earn money, the goods that they produce are meant to yield a profit. In one aspect, production in our society is very egalitarian: the actual type of product is secondary as long as it can be sold on the market. The measure of value is not whether the product in question will produce happiness or if you enjoyed producing it. The only thing that matters is if it makes money. All of this is pretty abstract and far detached from you and your occupation. Some call this form of labor „alienated“, in that it is disconnected from either its use or the desires of the person who actually produced it.
In the end your actual occupation does not matter, your working hours only add up to a fixed amount of some product (be it screws, advertisement copy or school classes). Furthermore, the use of machines usually does not mean less work but only intensifies it. Therefore, it comes as no surprise that there is endless competition to merely create „more“: More working hours, more products. This is not about you, as you matter only as a cog in the wheel since kindergarten days, and on the other hand all your social recognition as an individual depends on hard work, then this comes down to: „I work.
A lot.“ No joke. I can illustrate it with a common enough example: Whenever my dad calls his first question is: „So, lots of work?“ An affirmative answer is enough for him to be relieved. What is actually done is not something he cares about, as long as I don‘t slack off. In this logic, work is the primary meaning of life, and this is not simply an old-fashioned concept. Even hip freelancers in advertisement agencies organize their private lives around the gym and speed dating, their free time increasingly mirroring their work routine until everything, including love and desire, has become work and productivity. There’s another aspect to this pride in one’s work: The pressure to work and the necessary suppression of needs and desires that accompany it find expression in a hatred against all those who (seemingly) do not work. This is clearly expressed in the many talk shows where people are invited to publicly denounce those who don‘t see a reason to work. It is easily imaginable what the mob would do to these „asocial“ elements living on welfare once the cameras were turned off if they knew they could get away with it. The increased number of homeless people murdered in the last few years demonstrate this point clearly.

Would anybody work in a communist society?
Those who criticize the work fetish and the resulting hatred for all those ‚parasites‘ are usually confronted with the objection that if it weren‘t for external pressure, nobody would do any work. When one asks those fans of coercion if they only work because they have to, they typically claim the contrary, namely that they find fulfillment and self-realization in their work. A peculiar contradiction, but in reality both are false. On the one hand, in this irrationally organized society where people produce for an abstract market under constant pressure and force, we are not surprised that many people are not keen to work. One reason for this is that our work itself is completely untransparent. Not because everything has become so complex, but rather because it is deemed unimportant that people understand what their labor is actually for. But even if people do know the function of their work, this doesn‘t necessarly make it liberatory. And concerning the alleged self-fulfillment through work, one does not have to interview all the call center drones or workers in Asia forced to produce trainers under horrendous conditions (because machines would cost a few cents more than manual labor). The claim that some truly enjoy their job, or another makes a living from their hobby also often falls flat when faced with reality. In the end, either jobs are paid badly or the amount of enjoyment one gains is relatively small compared to what actually must be done.
Our alternative to all this is a society where production aims at actual human needs and not – like in capitalism – because these needs are a source of profit. We‘re not interested in producing goods that are designed so poorly that one has to purchase a new something-or-other every few months. And we want a society where all human beings can collectively decide and plan what goods are produced, and how. Where a person is not a mere cog in the wheel but actually matters and is asked: What are their needs, how much do they want to work, how do they feel at the workplace? We want a society where the elimination of labor is the actual benchmark for production. When one looks at the advertising industry, or at all the people performing various tasks solely to shuffle money around, it is clear how much labor would be superfluous in a society based on producing what is needed. And one could further reduce the amount of human labor by effectively using technology instead, whereas in capitalism machines are used only if there aren‘t enough able hands to do the task cheaper. And finally, we envision a society where some kind of jobs rotation system exists; and no, this doesn‘t mean that a pilot has to perform a heart surgery. So why not think of ways of changing our current production processes, where people have to work in monotonous, boring or dangerous jobs? Clearly, we can‘t afford to continue such a crazy sort of production: It’s finally time to organize a reasonable way of getting the things we need in life, both our basic as well as luxury goods!

For further reading:

Why the use of robots and machines in capitalism won‘t lead to more spare time

[Karl Marx, in Capital, Volume 1, Chapter 13.]

Adorno: Sur l‘eau (Aphorism No 100, scroll down the page)
In: Minima Moralia: Reflections from Damaged Life.

Manifesto against Labour

Tocotronic supports Straßen aus Zucker!

In Kooperation mit Tocotronic gibt’s für Euch einen exklusiven
Download-Song im Schuh: BimmelBammelBängBumBum!

Liebe Fanatiker_innen,

zum Nikolaus haben wir, die Gruppe Tocotronic, uns etwas ganz besonderes für Euch ausgedacht. In Kooperation mit der fantastischen, antinationalen und überaus herrschaftskritischen Jugendzeitung „Straßen aus Zucker“ schenken wir Euch heute „The young person’s guide to Tocotronic“ per Soundcloud etc..pp
In Anlehnung an Benjamin Britten’s bezauberndes Orchesterwerk für Kinder erklärt Caspar, der Sohn von unser aller Rick McPhail,  eloquent, sachkundig und in perfektem Oxford-Englisch den Aufbau unseres Liedes „Wie wir leben wollen“, des Titelsongs unseres bald erscheinenden Mammutwerks.
Exklusiv, nur hier und bei „Straßen aus Zucker“. Hört, staunt und freut Euch mit uns.
Rabimmel, Rabammel, Rabumm!

Eure
Tocotronic