Archiv für Mai 2012

Allein machen sie dich ein

Warum es sich lohnt Politgruppen zu gründen und wie man Fallstricke im Organisierungsdschungel vermeidet

In diesem Artikel soll es um Gründe gehen, warum es sinnvoll ist, sich zusammenzutun. Kein Geheimnis: Wir sind fürs Zusammenschließen, machen selber im Kollektiv eine Zeitung und sind auch noch in anderen Zusammenhängen organisiert. Die Eine bereitet einen internationalen Aktionstag zur Krise vor, ein Anderer bietet ärztliche Hilfe für illegalisierte Flüchtlinge an, mehrere sind in Lesekreisen oder im AstA aktiv usw. Wir müssen aber auch sagen, dass wir alle schon frustrierende Erlebnisse in solchen Gruppen hatten. Einige haben sich sogar geschworen nie wieder in eine Gruppe zu gehen und trotzdem sitzen sie jetzt hier. Wir alle kennen aber auch Menschen, die keinen Bock auf Organisierung haben. Es gibt also einige Gründe dagegen, aber auch viele gute dafür. Hier soll es um all das gehen. Doch von vorne.

Der Hauptgrund fürs Organisieren ist klar: Zusammen erreicht man mehr. Nazis lassen sich nicht allein vertreiben, da braucht es viele. Wenn man keine Lust mehr aufs Rumhängen an der Tanke hat, ist die Forderung nach einem autonomen Jugendzentrum nur so stark wie diejenigen, die die Idee unterstützen. Das sind nur zwei Beispiele, wie einige von uns die ersten Erfahrungen mit politischen Gruppen machten, wenn sie nicht gerade den örtlichen Bach von Müll säuberten. Ist man damit erfolgreich, kann man also einen Naziaufmarsch verhindern oder einen eigenen Laden organisieren, das ist ein extrem gutes Gefühl. (mehr…)

Die Revolution im Reformhaus

Warum es eine Revolution braucht. Und warum die Revolution nicht genug ist

ENGLISH!

ESPAÑOL!

One solution – revolution! A-, Anti- Anticapitalista – Overthrow the System, revolution anarchista! The revolution is my girlfriend! Und so weiter, und so fort. Ob auf Demos, T-Shirts oder in Songtexten: In linken Bildern und Sprache rankt sich so einiges um das Zauberwort „Revolution“. Wenn wir dann aber aktiv sind – an der Uni, in der Schule, in Gruppen oder autonomen Zentren – da ist „Politikmachen“ eigentlich immer weit von dem Gefühl entfernt, an einem grundlegenden politischen Umsturz teilzuhaben. Vielmehr gehen wir auf Demos gegen Nazis, treffen uns in Lesekreisen, schlagen uns mit Mackerredeverhalten in der Schüler_innenvertretung rum oder fahren zur Castorblockade. Manchmal kommt in einem Text, den wir lesen oder einem Demoaufruf, den wir schreiben, diese „Revolution“ auch wieder vor, aber es wirkt häufig floskelhaft und weit von unserem Alltag entfernt. Im Folgenden soll dieses Zauberwort entzaubert und das, was oft floskelhaft daher kommt, mit Inhalt gefüllt werden. Also, warum wollen wir sowas – eine ganz grundlegende Gesellschaftsveränderung, einen Bruch mit den bestehenden Verhältnissen? Und in welchen Fällen reichen zum Glück auch kleinere Veränderungen – Reformen? (mehr…)

Ein Brief

Anstelle einer Einführung in das Thema der Ausgabe

Liebe Straßen aus Zucker,
als ich im Herbst letzten Jahres das erste Mal auf einer Occupy-Demo war, wusste ich noch nicht mal, dass es euch gibt. Auch wusste ich vieles andere noch nicht und die Welt mit all ihren Problemen erschien mir damals viel klarer als heute. Als ich an einem Samstagmorgen im Oktober mit meinem Kumpel Jo nach Frankfurt auf die Occupy-Demo fuhr, waren wir ziemlich aufgeregt und voller Vorfreude. Das erste Mal in unserem Leben taten wir etwas, das wir für wichtig hielten. Es war unsere erste Demo. Für uns war klar, was die Politiker gerade während der Krise machen, ist falsch. Während Banken Millionen von Euros bekommen, geht die Welt vor die Hunde. Mittlerweile sehe ich das alles ein wenig anders. Die Krise erscheint mir inzwischen so komplex, dass ich gar nicht mehr weiß, was richtig ist und was man tun soll. Macht es Sinn, dass Deutschland irgendwelche Banken rettet? Hilft mir das? Und dieses ganze Griechenland-Ding – warum will Deutschland unbedingt den griechischen Staat retten? Bringt denn das den Leuten vor Ort eigentlich was? Naja, diese Krise nervt mich nur noch. Ich weiß nicht, was die mit mir zu tun hat. Ich weiß nicht, ob ich die ernst nehmen soll. Noch weiß ich wo die herkommt und wie es weitergeht. (mehr…)

Straßen aus Zucker #7 online!

Organisieben!
Salut! In euren Händen haltet ihr gerade die 7. Ausgabe der Straßen aus Zucker. Nachdem sich die letzte Ausgabe mit Religionskritik und Sozialchauvinismus beschäftigt hat, haben wir uns für diese Ausgabe Gedanken dazu gemacht, was wir eigentlich für eine sinnvolle Praxis halten um dem schlechten Ganzen richtig eins reinzuwürgen. Wir haben uns dabei entlang der Fragen im Brief auf der folgenden Seite gehangelt und versucht, diese Fragen, die sich sicher viele stellen, zu beantworten.
Zusätzlich gibt es zahlreiche Interviews mit Aktivist_innen und ein Interview mit Tom Morello, der, wenn er nicht gerade die Gitarre bei Rage Against The Machine bearbeitet, sich für politische Gefangene oder die Verbesserung der Situation von Migrant_innen einsetzt.
Also viel Spaß beim Lesen and let‘s get organized.