Wie Deutschland bist du? How much is the fish?

Der große Integrationstest

Ungebrochen ist der Diskurs um „Integration“ und endlich ist er da: der große SaZ-Selbsttest! Mach den Test und finde heraus, wie integriert Du wirklich bist und ob Du den Eintritt oder doch nur einen Arschtritt von dieser Gesellschaft erwarten kannst. Wenn Du dem Ergebnis nicht glaubst: selber Schuld!

1. Ich habe die deutsche Staatsbürgerschaft…
a) nach einem Einbürgerungstest mit Loyalitätserklärung an die Freiheitlich Demokratische Grundordnung (FDGO) bekommen. (*)
b) “aber hier leben – nein danke!“ (****)
c) seit meiner Geburt in Deutschland. (**)
d) würde aber auch eine andere annehmen / hätte die andere gern behalten. (***)

2. Meine Familie kommt aus…
a) gutem Hause.(**)
b) den verlorenen Ostgebieten. (*)
c) nicht aus – vom anderen Stern, wahrscheinlich. Ich versteh‘ sie jedenfalls nicht. (****)
d) verschiedenen Teilen der Welt. (***)

3. Beherrschst Du die deutsche Sprache?
a) Qui, c‘est vrai! Claro que sí! Of course I can! (****)
b) Rusch ma doch dän buggel runnda! / Ick wer dir wat husten. / Da werd ih kreiznarred! (**)
c) Ey Du Opfer! Machst Du mich an oder was? (***)
d) Natürlich! In Deutschland spricht man deutsch! (*)

4. Wie findest Du Dich im Alltag in Deutschland zurecht?
a) It‘s confusing, aber ich überlebe dank meinem Smartphone. (***)
b) Arbeiten, studieren, einkaufen und Behördengänge sind kein (**)Problem.
c) Mutti macht das schon! (**)
d) Das geht Euch überhaupt nichts an! (****)

5. Ich habe einen großen Bekanntenkreis und viele Freunde, …
a) aber meine Familie ist mir dennoch wichtiger. (*)
b) sogar Migrant_innen sind darunter. (**)
c) aus dem In- und unterschiedlichem Ausland. (***)
d) zumindest bei Facebook, aber wo die alle herkommen weiß ich auch nicht. (****)

6. Um mich anzupassen, …
a) lache ich auch über rassistische Witze. (**)
b) bin ich bei der WM immer für das deutsche Team. (*)
c) hab ich mir eine Röhrenjeans und ’ne Nerdbrille gekauft. (****)
d) hab ich zu viel eigenen Style. (***)

7. „Ich würde für die deutsche Nationalelf spielen, wenn…“
a) die Spieler_innen besser bezahlt würden. (***)
b) nicht nur die Trikots weiß wären. (*)
c) wenn ich ihr damit zum Vorrundenaus verhelfen könnte. (****)
d) ich zugelassen wäre. (**)

8. Integration in der Schule bedeutet …
a) eine besondere Form der Schulpädagogik: Menschen mit und ohne Behinderung lernen zusammen. (**)
b) ätzende Mathestunden und mit den anderen zu chatten. (***)
c) besonderen Leistungsdruck. Durch gute Schulnoten und ausgewiesene Sozialkompetenzen kann ich meine Familie vielleicht vor der Abschiebung retten. (****)
d) sich nicht verprügeln oder mobben zu lassen und das Pausenbrot behalten. (****)

9. Arbeiten …
a) und Geldverdienen sind der Grund, warum ich in Deutschland wohne. (**)
b) ist mir echt zuwider. Kann ja machen, wem‘s gefällt. (****)
c) müsste ich schon, aber ich finde keinen (legalen) Job. (***)
d) gehört neben Fleiß zu den besten Fähigkeiten der Deutschen. (*)

10. Das Arbeitsamt ist …
a) ein gutes Ziel für Anschläge. (****)
b) mein einzig sicherer Arbeitsplatz. (***)
c) eine wichtige Institution des Sozialstaates. (**)
d) die größte Last im Bundeshaushalt, aber überflüssig sobald wir wieder Vollbeschäftigung haben. (*)

11. Heimat ist für mich …
a) wo Deine Wiege stand / Du findest in der Ferne / kein zweites Heimatland. (*)
b) eine Stickerei auf Omas Topflappen. (****)
c) ein Modelabel aus dem Berliner Szenebezirk Prenzlauer Berg. (***)
d) grundlegender Bestandteil meiner Identität. (**)

A – wie Anti-Typ_in: Ausgegrenzt und Spaß dabei
Am häufigsten 4 Sterne (****)

Deutschenfeindlich? Integrationsunwillig? Geringe Leistungsbereitschaft? Unter mindestens einer dieser Zuschreibungen kannst Du dich sicher wiederfinden. In deinen Ohren klingt das nach Kompliment. Du kannst gar nicht verstehen, warum sich andere vom ein Hartz-IV-Amt so stressen lassen und alles gleich persönlich nehmen. Über soviel Mangel an kritischem Bewusstsein kannst Du nur den Kopf schütteln. Ob jemand einen Migrationshintergrund (in Anführungszeichen) hat, spielt für Dich keine Rolle – an der Definition ist doch von ‚Nation‘ bis ‚Familie‘ alles zusammenkonstruierter Quatsch, um den Kapitalismus irgendwie am Laufen zu halten. In Deutschland, da ist kein schönes Leben zu haben, sondern es bleibt staatnationkapitalscheiße. Wie kann man sich da integrieren wollen? Jobcenter austricksen, Arbeiten für wenig Geld aber die gute Sache im linken Kollektiv, Reisen auf Kosten der Uni, Parties, Theorie- und Drogenkonsum sind Versuche, ein kleines bisschen Richtiges im Falschen einzurichten. Das beschäftigt, bis sich das Thema irgendwann erledigt haben wird. Kein Gott, kein Staat, lieber was kaputt raven – bis Dein Wecker stört um zum Marsch durch die Institutionen zu mahnen oder einen neuen Tag voll Lohnarbeit einläutet. Angesichts dieser Verhältnisse kannst Du nur sagen: „Integration? – Nein Danke!“

B – wie Bienchen: fleißig im Stich gelassen
am häufigsten 3 Sterne (***)

Deine Armut kotzt dich an? Jung, dynamisch und individuell wie Du bist, ist dir jedes unbezahlte Praktikum lieber als dich mit den „Hartzis“ im Unterschichten-TV zu identifizieren? Mit deinem Arbeitsfetisch hat sich der Neid auf Faulenzende in den verachtenden Fingerzeig auf sie umgekehrt. Auch beim Ärgern über „die da oben“, wünscht Du dir doch nur besser regiert zu werden. Vom kleinen Stück Kuchen, das Du abbekommen hast, verteidigst Du noch den letzten Krümel am Gartenzaun deines Biergarten Edens mit rassistischen Sprüchen in der Art traditionsbewusster Stammtische. Gute Manieren forderst Du dagegen von Menschen, „die hier herkommen“. Du bist in Germany aufgewachsen – nur schade, dass du keine Medaille dafür bekommst, wie Vorzeige-„Migrant_innen“. Neidisch bist Du auf Rapper wie MC Harris und Samy Deluxe, die sich beim Battle um das fleißigste Bienchen im Deutsch-Heft für ihre Sprüche nicht schämen müssen, sondern sogar als Vorbilder der Integrationsdebatte funktionieren. Mit schwarzrotgoldenen Accessoires weist auch Du deine erworbene oder angeborene „Deutschness“ nach. Deine Sehnsucht nach Gemeinschaft entlädt sich auf der Fanmeile: Nach 10 Bier trägst du deine Leidenschaft im Bauch in Stückchen auf die Straße. Reingewaschen von der Schuld wehst du lieber mit der Fahne umher, anstatt sie durch den Dreck zu ziehen, dessen Symbol sie ist. Wenn Du – warum auch immer – als „Migrant_in“ giltst, wird deine Integration genauso „schwer vermittelbar“ sein, wie das Angebot deiner Arbeitskraft. Die soziale Ausgrenzung und der Rassismus hierzulande wird wohl weiter dafür sorgen, dass Du dich auf der Seite der Ausgrenzten wieder findest.

C – Linda, die Protestkartoffel
am häufigsten 2 Sterne (**)

Feste Arbeit, deutscher Pass, gute Sprachkenntnisse und soziales Engagement jenseits ‚extremistischer‘ Chaoten – Du bist vorbildliche Bürgerin der Mitte, integriert to hell. Du schätzt und lebst das neue Deutschland. Das geläuterte, das mit der Geschichte klarkommt, das von Touristen gemocht wird und modern, tolerant, erfolgreich, kritisch ist. So repräsentierst Du dein Land gerne und bist doch ein bisschen stolz, hier zu leben. Du bist so sicher in der Gesellschaft verankert, dass Du dir auch mal Empörung, nein, richtige Wut (!) erlauben kannst. Da gibt es einiges, was dich so aufregt: Der harsche Polizeieinsatz von Stuttgart21, der wohl eindeutig die Falschen getroffen hat. Der Bau einer Autobahn durch dein Wohngebiet oder Steuergeldverschwendung: Protest! Vielleicht sogar ein Volksentscheid pro Eliteschulen wie der in Hamburg? Ein Hoch auf die Freiheitlich Demokratischen Grundordnung! Und Medaillen für ‚Vorzeige-Migrantinnen‘! Damit verteidigst Du die Idee eines Multikulturalismus gegen rassistische Widersacher wie Sarrazin. Der vergrault sonst noch glatt deinen Lieblingsitaliener-um-die-Ecke. Da zeigt sich doch für dich, dass die deutsche Gesellschaft durch Migrant_innen aufgewertet wird, weil sie mit ihren ganz eigenen, kulturellen Fähigkeiten frischen Wind und wirtschaftlichen Aufschwung bringen. Das kannst Du nur gutheißen. Solange sie nicht deinen Kindern das Pausenbrot klauen. Da hört die viel gelobte Toleranz dann auch auf. Aber, Du hast aus der Geschichte gelernt: Nationalismus ist ein böses Wort. Deshalb bist du lieber unverkrampft deutsch, mit Augenzwinkern und neuem Schick. Germany, 12 Points!

D – wie Deutschland
am häufigsten 1 Stern (*)

Integration ist für dich eine Angelegenheit von Minderheiten, die Du gerne auf ihre Herkunft reduzierst. Statt dich darüber zu freuen, bereitet dir der Gedanke an den Untergang der deutschen Nation Alpträume. Bei der Fußball-WM der Frauen lässt dein Sexismus keine Tränen zu, die deine schwarz-rot-goldene Schminke verschmieren könnten. Für dich ist es nur eine Frage der Zeit, bis das erste Kopftuchmädchen für Deutschland kickt. Du siehst die Bedrohung der „Überfremdung“ schon an jeder Ecke Döner verkaufen. Nicht die Kinderwünsche von Hartz-IV-Empfänger_innen und „Migrant_innen“ sind der Ausdruck gesellschaftlicher Verdummung, sondern dein Spiegelbild. In deiner Verblendung bist Du für mehr Studiengebühren und Elitenförderung, um die Auslese der Nützlichsten voranzutreiben. Denn als „Leistungsträger_in“ findest Du es nur richtig, sich fit für die eigene Verwertung zu machen. Deine besten soft skills sind copy&paste, deine soziale Kompetenz begrenzt sich auf Blut&Boden. Dabei glaubt nicht einmal der Weihnachtsmann noch an eine weiße Weihnacht in Zeiten des Klimawandels. Was dir bleibt ist die Kraft durch Freude am eigenen Volkswagen – natürlich „Made in Germany“. Glückwunsch, bei dir stimmt einfach das Gesamtpaket! Adolf hätte dich lieb gehabt.

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