Archiv für Dezember 2011

Vienna Calling! Den WKR-Ball 2012 crashen!

Videopozvánka na demonstraci proti ultrapravicovému plesu ve Vídni+české titulky from Iniciativa Ne Rasismu! on Vimeo.

Proteste Gegen den Ball der Burschenschaftler des Wiener Kooperationsrings (WKR)
Freitag 27. Januar 2012 linksradikale Demonstration
Samstag 28. Januar 2012 Burschisafari, Vorträge und eine Antinationale Afterparty (de rue des sucres-Party) – Mehr auf:
www.nowkr.at & www.umsganze.de & www.antifaw.blogsport.de & www.antifanet.at

Lustig ist‘s Verfolgtenleben?

Über die Diskriminierung und Verfolgung von Roma und Sinti, einen bisher fast vergessenen Teil des nationalsozialistischen Vernichtungswahns, und die Kontinuitäten in der heutigen Gesellschaft.

„Wir versprechen eine Endlösung der Zigeunerfrage“, lässt die ultrarechte tschechische „Nationale Partei“ in einem Werbespot verlauten. In Frankreich werden mehrere tausend Roma in den Kosovo abgeschoben. In Ungarn patrouillieren ultranationalistische Garden durch Roma-Siedlungen, um „die Bevölkerung vor den Zigeunern zu schützen“. In Italien warnt Berlusconi: „Milan darf nicht zu einer Zigeunerstadt werden.“ In Berlin sprechen Zeitungen von „Bettel-Roma“ und in Leverkusen werden Brandsätze auf ein Roma-Haus geworfen. Der Antiziganismus, also die konkrete Feindschaft gegen als „Zigeuner“ stigmatisierte, ist seit etwa zwanzig Jahren wieder am Erstarken und hat eine lange Vorgeschichte.

Existierten die „Zigeuner“ nicht…
Schon im Mittelalter wurden Roma und Sinti aus deutschen Städten und Gemeinden vertrieben und verjagt, während parallel die ersten Zuschreibungen und Stereotype entstanden: Zum Beispiel, dass sie andauernd umherziehen, betteln, stehlen, Kinder entführen und nicht arbeiten würden. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Sinti und Roma dann für angebliche „Kriminalprävention“ systematisch erfasst und es gab diverse „Umerziehungsversuche“. Oft wurden ihre Kinder in Heime gebracht. (mehr…)

Hassen für die Gemeinschaft

Warum in letzter Zeit noch mehr Scheiße gelabert wird. Und warum einige deswegen von Sozialchauvinismus reden.

Wie lange geht das jetzt schon? Anfang 2009 behauptete der deutsche Außenminister, ihn erinnere der Lebensstil von Arbeitslosen an spätrömische Dekadenz. Im Fernsehen schwatzte ein renommierter Philosoph davon, dass mittlerweile Arme die Reichen ausbeuten. Wem in der Schule gesagt wurde, dass aus ihm_ihr sowieso nichts wird, bekommt jetzt die geringe Qualifikation vorgeworfen. Skandalnudel Sarrazin inszeniert sich als Opfer, indem er sich samt Medientross aus einem Kreuzberger Dönerladen schmeißen lässt.
Auch in deinem Umfeld hast du sicher schon gehört, wie sich jemand abwertend oder mitleidig über Menschen in einer beschissenen Lage äußert. Gleichzeitig wird denen die Schuld an ihren Problemen gegeben und sie sollen sie gefälligst auch selbst lösen.

Ok, das ist nicht gerade neu. Fiese Mitschüler_innen kannten deine Eltern bestimmt auch. Und dass gestresste Workaholics Arbeitslosigkeit für ein Paradies halten, hat seinen Ursprung eher in deren Phantasie als in der Realität. Aber festzuhalten ist, dass es in der Gesellschaft einen deutlichen Trend zum Abwerten von Personen und Gruppen gibt: wegen ihrer Bildung, wegen ihres sozialen Status, einfach wegen ihrer gesellschaftlichen Stellung. Denen wird vorgeworfen, dass sie den Staat ausnutzen würden. Und weil die meisten Menschen den Staat für den Verwalter des Wohls all seiner Bürger_innen halten, fühlen sie sich persönlich angepisst. Kritiker_innen der Veranstaltung reden in letzter Zeit von Sozialchauvinismus.
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Wie Deutschland bist du? How much is the fish?

Der große Integrationstest

Ungebrochen ist der Diskurs um „Integration“ und endlich ist er da: der große SaZ-Selbsttest! Mach den Test und finde heraus, wie integriert Du wirklich bist und ob Du den Eintritt oder doch nur einen Arschtritt von dieser Gesellschaft erwarten kannst. Wenn Du dem Ergebnis nicht glaubst: selber Schuld!

1. Ich habe die deutsche Staatsbürgerschaft…
a) nach einem Einbürgerungstest mit Loyalitätserklärung an die Freiheitlich Demokratische Grundordnung (FDGO) bekommen. (*)
b) “aber hier leben – nein danke!“ (****)
c) seit meiner Geburt in Deutschland. (**)
d) würde aber auch eine andere annehmen / hätte die andere gern behalten. (***)

2. Meine Familie kommt aus…
a) gutem Hause.(**)
b) den verlorenen Ostgebieten. (*)
c) nicht aus – vom anderen Stern, wahrscheinlich. Ich versteh‘ sie jedenfalls nicht. (****)
d) verschiedenen Teilen der Welt. (***)

3. Beherrschst Du die deutsche Sprache?
a) Qui, c‘est vrai! Claro que sí! Of course I can! (****)
b) Rusch ma doch dän buggel runnda! / Ick wer dir wat husten. / Da werd ih kreiznarred! (**)
c) Ey Du Opfer! Machst Du mich an oder was? (***)
d) Natürlich! In Deutschland spricht man deutsch! (*)

4. Wie findest Du Dich im Alltag in Deutschland zurecht?
a) It‘s confusing, aber ich überlebe dank meinem Smartphone. (***)
b) Arbeiten, studieren, einkaufen und Behördengänge sind kein (**)Problem.
c) Mutti macht das schon! (**)
d) Das geht Euch überhaupt nichts an! (****)

5. Ich habe einen großen Bekanntenkreis und viele Freunde, …
a) aber meine Familie ist mir dennoch wichtiger. (*)
b) sogar Migrant_innen sind darunter. (**)
c) aus dem In- und unterschiedlichem Ausland. (***)
d) zumindest bei Facebook, aber wo die alle herkommen weiß ich auch nicht. (****)
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Natürlich bin ich nicht dein Typ

Eine kleine Empfehlung des Buches „Geschlecht – Wider die Natürlichkeit“.

Immer wieder werden wir in den Medien, Politik, Familie und Freundeskreis mit Aussagen über eine angebliche Naturhaftigkeit des Menschen konfrontiert: ob nun, dass der Mensch von Natur aus egoistisch, faul und böse sei oder dass er sich ‚natürlicherweise‘ verliebt, Pärchen bildet, sich zum Nisten ein Reihenhaus baut. Vor allem in Hinblick auf Männer- und Frauenrollen sind die Kirche und die Biologie zwei ganz große und wichtige Institutionen zur Beibehaltung und Verbreitung solcher Schauermärchen. Heinz Jürgen Voß hat sich mit der Geschlechterforschung in der Biologie auseinandergesetzt. Ihr_sein Buch „Geschlecht – Wider die Natürlichkeit“ aus der Reihe theorie.org, liefert einige Argumente und Fakten zum Zurückfeuern.
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Alice im Wunderland

Was kann man denn nach der Schule machen? Gleich arbeiten oder studieren? Oder doch ein freiwilliges soziales Jahr? Seit knapp vier Jahren gibt es eine Alternative der ganz besonderen Art: Für den Freiwilligendienst „Weltwärts“ komplettfinanziert in ein Entwicklungsland reisen und dort Aufbauhilfe leisten. Na das hört sich doch toll an! Gutes tun, ein Jahr in den Süden fliegen und das alles auch noch für umme.

Immer mehr junge Menschen (auch einige von uns SaZ-Redakteur_innen) haben sich seitdem für einen Freiwilligendienst im Ausland entschieden. Aber bei allen schönen Dingen, die so eine Reise mit sich bringt, sehen wir auch das ein oder andere Problem. Der gleiche Staat, der durch Agrarsubventionen für Exportschwierigkeiten in Ländern des Südens sorgt und den Menschen, die dann von dort nach Europa flüchten, die Grenzschutztruppe Frontex auf den Hals schickt – dieser Staat spendiert jetzt selbstlos jährlich über 70 Millionen Euro um Menschen in Entwicklungsländern aus der Patsche zu helfen? Und das auch noch durch Schüler_innen? Das erscheint nicht nur uns merkwürdig. „Egotrip ins Elend“ schallt es gar aus der Presse. Nicht ganz zu Unrecht. Denn im Gegensatz zu ausgebildeten Entwicklungshelfer_innen fehlt uns Freiwilligen zumeist das nötige Know-how und die Erfahrung, um der dortigen Bevölkerung wirklich helfen zu können. Von dem Geld, das der Staat uns Jugendlichen für Flug, Seminare und Unterkunft gibt, könnten oft vor Ort mehrere dringend notwendige neue Jobs in der Sozialarbeit finanziert werden. (mehr…)