Archiv für Oktober 2010

3. Marx-Herbstschule in Berlin

Am Wochenende findet die 3. Marx-Herbstschule in Berlin statt. Von Freitag bis Sonntag gibt es verschiedene AG´s zum dritten Band des Kapitals, eine Podiumsveranstaltung und ein rauschendes Fest.

Für Interessierte ohne Vorkenntnisse wird im Rahmen der Herbstschule diesmal eine AG zur Einführung in den ersten Band des Kapitals angeboten.

Die Marx-Herbstschule ist eine Ergänzung der in den letzten Jahren wieder verstärkt auftretenden Kapital-Lesekreise. Sie ist nicht nur Vertiefungsmöglichkeit, sondern auch bundesweite Vernetzungsplattform. Veranstaltet von Helle Panke Berlin, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Top Berlin und Ums-Ganze!, Marx-Gesellschaft e.V. und dem Berliner Verein zur Förderung der MEGA-Edition.

herbstschule2010

5 x Pro Nation = 5 x Falsch

Argumente gegen Nationalist_innen

Jede nationale Idee behauptet, dass Menschen als Kollektiv zusammengehören, als Nation eben. Diese nationale Zusammengehörigkeit soll angeblich vor dem Staat da gewesen sein. In Wahrheit ist es genau umgekehrt. Wer Mitglied einer Nation ist, entscheidet der jeweilige Staat. Alle Begründungen für Nationen sind Märchen. Trotzdem sind Nationen mehr als kollektive Einbildungen: Dadurch, dass eine Anzahl von Menschen einer staatlichen Gewalt unterworfen ist, erzeugt der Staat Gemeinsamkeiten unter ihnen: Sie sind alle seinen Gesetzen unterworfen, müssen seine Sprache lernen oder für ihn in den Krieg gegen andere Nationen ziehen. Die Lüge von der Nation und von einem gemeinsamen nationalen Interesse wird erst „praktisch wahr“, wenn massenweise Menschen daran glauben (z.B. im Namen „ihrer“ Nation gegen andere Menschen Krieg führen, die das Gleiche gegen sie tun). Menschen, die sich als Teil einer Nation begreifen (also sich als Deutsche_r, Holländer_in, Ägypter_in usw. fühlen) haben die nationale Scheiße gefressen. Sie sehen nicht, dass durch den Kapitalismus ihre Bedürfnisse nur dann zählen, wenn sie Geld haben. Geld, um die Mittel zur eigenen Bedürfnisbefriedigung auf dem Markt bezahlen zu können. Sie sehen nicht, dass Staaten die Bedingungen setzen und durchsetzen, die das kapitalistische Wirtschaften zur Folge haben. Und damit die Konkurrenz aller gegen alle um Jobs und Geld. Beim heutigen Stand der Technik müsste niemand auf der Erde mehr verhungern und alle könnten ein gutes Leben haben. Wir müssten nur gemeinsam über die Produktionsmittel verfügen und überlegen, wie wir die Mittel zur Befriedigung der Bedürfnisse aller vernünftig herstellen und verteilen. (mehr…)

20 Jahre grenzenlos?

Der Ausblick ist wirklich wunderschön. Der Abgrund, der in die Tiefen des Elbtals geht, ist nur ein paar Schritte entfernt und gibt den Blick auf viele Felsformationen frei. Franziska ist völlig erschöpft und sucht sich einen Platz, an dem sie sich setzen kann. ‚Eigentlich doch ganz nett hier‘, denkt sie sich und ist für einen Moment nicht mehr von „Willi“ genervt, wie er inoffiziell von allen genannt wird. Erst seit ein paar Monaten ist er Klassenlehrer. Und: Er ist Wanderfreak. Das wurde bei der Entscheidung, wo die Klassenfahrt hingehen solle, schnell deutlich. Alle fanden die Idee super, nach Amsterdam zu fahren. Willi schien zwar nicht zu begreifen, dass ein wichtiger Grund für diesen Vorschlag grün ist und in kleinen Tütchen verkauft wird. Trotzdem wurde Wandern durchgedrückt und nun steht der Großteil der elften Klasse ziemlich entnervt inmitten der Sächsischen Schweiz.
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Wenn die Bienen zu den Blumen fliegen…

Warum Geschlecht und Staat ein Verhältnis miteinander haben

ENGLISH!

ESPAÑOL!

Sex, Sex, Sex … Aufmerksamkeit erhascht? Bei Leuten, die sich gerade wundern, warum in einem linksradikalen Blatt so etwas steht – sicherlich. Und bei Leuten, die nun auf einen „geilen Artikel“ hoffen – ebenfalls. Dann kann es ja nun offenbart werden: Es geht um die Frage, was Geschlecht und Staat so miteinander treiben, und um den Feminismus. Feminismus? Wartet mal, ist das nicht so‘n alter Hut, von wegen wild kreischende, nackige Frauen aus den 60ern? Warum denn damit wieder anfangen?

Alte Beziehungskiste …
Darum: Ob nun blöde Sprüche und Anmachen, männerdominiertes und mackerhaftes Redeverhalten in der Schule, auf der Arbeit, im Freundeskreis oder der Antifa-Gruppe – Sexismus ist immer noch Alltag. Von Männerbündeleien in den Strukturen an der Uni und in der Wirtschaft, die dafür sorgen, dass Frauen nicht in besser bezahlte Positionen kommen, über Physiklehrer, die immer noch glauben, dass Mädchen nicht so logisch denken können wie Kerle (was wiederum stilles und unsicheres Verhalten hervorbringt) bis hin zu verbaler und körperlicher Gewalt, wenn zwei Frauen sich auf der Straße küssen oder vielleicht nicht so ganz in das Bild passen, wie eine „richtige Frau“ auszusehen hat. (mehr…)

Deutschland? „I‘m gonna love you either way“


Als das deutsche Pop-Sternchen Lena Meyer-Landrut Ende Mai 2010 den Eurovision Song Contest (ESC) gewann, hieß es unter anderem in der Boulevardpresse zu diesem Ereignis: „Wir sind Lena“. Angeblich seien „die Deutschen“, also „wir alle“, nunmehr „Song-Meister“. Das ist zunächst einmal ziemlich seltsam: Gibt es doch in Deutschland genug Leute, die der jungen Hannoveranerin und ihrem Liedchen „Satellite“ (übrigens komponiert von einem Dänen und getextet von einer US-Amerikanerin), bestenfalls nichts abgewinnen können und den Song für ein belangloses Stück Disco-Pop halten. Man könnte die Stellung zu dieser Sängerin und ihrer Musik also für eine bloße Geschmacksfrage halten. Dennoch meint die Zeitung mit den vier großen Buchstaben offensichtlich, alle Menschen mit deutschem Pass hätten wegen Lenas Sieg beim ESC großen Grund zum Jubeln.
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Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt

Ja, wir schaffen das! (Bob, der Baumeister)

Schlaaand! Lena! Podolski! Faule Griechen! und Deutschlands „Partynationalismus“ waren in diesem Sommer mal wieder total hip. Gleichzeitig steckten „wir alle“ bis vor Kurzem mitten in einer fetten Krise – damit es auch morgen noch Kapitalismus geben kann, mussten viele Staaten ganz schön viel Geld ausgeben. Wie solche Krisen entstehen, konntet Ihr ja bereits in der ersten Ausgabe der „Straßen aus Zucker“ lesen. Diesmal ist unser Thema, was Krise und Nationalismus miteinander zu tun haben.
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Wer hat hier was gegen pure Lebenslust?

Über Fußball und Nationalstolz und was ich Deutschland-Fans entgegnen würde

Am 4.7.2010 wurden Guiseppe L. und Francesco S. in einer Bar in Hannover von Holger B. hingerichtet, einer der Getöteten hatte laut einer Augenzeugin auf Knien um sein Leben gebettelt. Was hatte den Todesschützen so wütend gemacht? Die Deutsch-Italiener hatten behauptet, dass die italienische Herrenfußballmannschaft mehr WM-Titel als die deutsche Auswahl gewonnen hätte – womit sie übrigens auch recht hatten. Ein ziemlich drastisches Beispiel für „fröhlichen Patriotismus“. Die konservative Tageszeitung „Die Welt“ beeilte sich deswegen auch, die schon wieder in Nationalfarben schwelgenden Massen aus dem Blick zu nehmen, indem sie erklärte, es habe sich ja nicht um einen Streit um die aktuelle, sondern um vergangene Weltmeisterschaften gehandelt. Die aus dem gleichen Lager stammende „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vermerkte den ganzen Vorfall gleich ganz unter „Kneipenstreit“, während die Staatsanwaltschaft Hannover erklärte, sie gehe „von einer Tat aus Mordlust aus“.
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