Frittenbude Interview

Wir haben uns ja bei dem Titel „ Straßen aus Zucker“ von Eurem Song „Mindestens in 1000 Jahren“ inspirieren lassen. Was haltet Ihr davon, dass Teile Eurer Texte in so einem politischen Blatt verwendet werden?
Streuner: Das ist super! Als wir das erste Mal eine SAZ in der Hand hielten – damals bei der Megaspreedemo – war ich ein bisschen stolz, dass da etwas von mir beziehungsweise uns drin ist.

„Wir wollen die Freiheit der Welt und Straßen aus Zucker“ – sinnfreier Vers oder Zukunftsvision und politische Utopie?
Streuner: Ich wollte damit eigentlich all die unerfüllbaren Wünsche jedes Einzelnen relativieren, unmögliche Dinge eben, wie die Freiheit der Welt, durch den Wunsch, nach Straßen aus Zucker … lauter Dinge einfach, die sich niemals bewahrheiten werden.

Eure Texte sind als sehr politische lesbar. Begreift Ihr Euch denn selbst als politisch? Und wenn ja, was hat Euch politisch geprägt?
Streuner: Wir sind nicht alle drei gleich politisch, der eine mehr, der andere weniger. Politik war auch bei uns nie der Motor. Wir machen Musik, weil es unser Leben ist, ‘ne politische Note haben die Texte aber auf jeden Fall. Das passiert quasi und muss auch so sein. „Richtige“ politische Aktivist_innen unterstützen wir aber sehr gerne mal bei Demos mit ‘nem Konzert im Bullenkessel. Denn wenn dadurch dann auch nur eine Person mehr zur Demo kommt, haben wir schon ‘nen guten Job gemacht. Geprägt hat uns halt das Leben und Lesen…

Wart Ihr mal Punker?
Streuner: Nee, von uns war keiner Punker! Wär‘ ich kein HipHop-Kid gewesen, wär‘ ich sicherlich ‘ne üble kleine Zecke geworden. Jakob war ja auch jahrelang MC, bis er anfing, sich für elektronische Tanzmusik zu interessieren. Und Martin ist quasi mit Gitarre in der Hand als Indie-Kind geboren worden, was sich ja bis heute nicht geändert zu haben scheint.
Josef: Ich war in meinem Heimatort Geisenhausen mal Punk beim Fasching und bin dann glatt als Kinderfaschingsprinz auserkoren worden.

Was würdet Ihr mit 8000 Mark machen?
Josef: Neue Gitarre holen.
Jakob: Ich würde mir die Rechte an den Supershirt-Liedern kaufen.
Streuner: Urlaub…
Wohin fahrt Ihr in den Urlaub?
Streuner: Ganz klassische Ziele. Karibik, Amerika, Israel, Frankreich, Island…
Josef: London, Barcelona, Goa.

Wie war Euer erstes Mal…im Osten?
Streuner: Mein erstes Mal im Osten war auf dem „Splash! Festival“, war schön.
Josef: Mein erstes Mal war ein Ausflug mit meiner damaligen Arbeit nach Berlin, war auch schön.
Jakob: Ich war als Kind ein paar Mal in Ostberlin. Ich komme eigentlich vom Land und fand das Stadtleben damals schon ein wenig komisch. Aber den politischen und kulturellen Unterschied zwischen West und Ost habe ich als Kind damals noch nicht erfasst. Da war ich auch viel zu beschäftigt mit anderen Sachen.

Wo seht Ihr Euch in 1000 Jahren?
Streuner: Als abgefuckte Materie.
Josef: Überdimensional fett oder total abgemagert bei Madame Tussauds.
Jakob: Nach dem weltweiten Zusammenbruch des Internets im Jahre 2089 werden alle bis dahin von uns verbliebenen Spuren komplett gelöscht. So, dass in 1000 Jahren nichts mehr von uns ist. Alles ist eben vergänglich.

Vor gut einem Jahr ist Eure erste Platte „Nachtigall“ erschienen. Plant Ihr schon die nächste oder tourt ihr noch mit „Pandabär“, „Electrofikkkke“ und „Zucker“ durch die Lande?
Streuner: Wir touren noch bis Ende 2009 mit den ‘alten Schinken‘ auf unserer zweiten Tour namens „Die Schande kennt keine Heimat“. Wir werden aber immer wieder mit neuen Remixen an den Start gehen und diese auch live performen. Also sollte es nicht langweilig werden. Nach den Touren recorden wir dann für‘s zweite Album, das dann im Frühling geboren werden soll.

Vielen dank für das Interview.

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